23:36 12 November 2018
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    Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspielen in Pyeongchang

    Historiker: Olympische Spiele längst kein Friedensprojekt mehr – sondern Kampfarena

    © Sputnik / Alexey Filippow
    Olympische Winterspiele 2018
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    Frieden schaffen durch Sport – dieser erklärte Grundsatz der Olympischen Spiele ist eine Illusion, wie der schweizerische Historiker Patrick Clastres in der Zeitung „Le Temps“ schreibt. In ihrer ganzen Geschichte waren die Olympischen Spiele demnach nur eine Kampfarena der Weltmächte.

    Die Olympischen Spiele mit ihren ritterlich edlen Idealen der Fairness würden den Frieden in Europa fördern, dachte sich Baron Pierre de Coubertin, als er die Olympiade 1892 wiedereinführen wollte.

    Bald aber blieb von diesem olympischen Geist wenig übrig: Schon 1908 bei der Olympiade in London seien die Athleten nicht im eigenen Namen oder im Namen ihrer Sportclubs aufgetreten, sondern als Teil eines Nationalteams, schreibt der Historiker.

    „Im Verlauf des gesamten 20. Jahrhunderts verwandelte der aufgeblasene Nationalismus des alten Europa die Olympischen Stadien in beliebte Schauplätze des internationalen Kampfs“, so der Wissenschaftler.

    Alles, was der IOC dem habe entgegnen können, seien leere Worte über „Friedensstiftung und politische Neutralität des Sports“ gewesen, so der Historiker.

    Das Friedensversprechen ist jedenfalls nicht eingelöst worden. So seien etwa die zwei Teile Deutschlands bei den Spielen 1956, 1960 und 1964 durch eine einzige Mannschaft vertreten gewesen – das aber nur, weil das IOC sich geweigert hätte, das ostdeutsche Olympiakomitee anzuerkennen. Diese „Fiktion des vereinten Deutschlands“ habe den Bau der Berliner Mauer auch nicht verhindert, betont Clastres.

    Und auch der Auftritt der beiden Teams aus Nord- und Südkorea unter einer Flagge habe die Aussöhnung zwischen diesen Ländern nicht herbeigeführt – auch wenn deren Mannschaften bereits mehrmals bei den Olympischen Spielen gemeinsam angetreten seien.

    Der sportliche Schulterschluss der Nord- und Südkoreaner für die Zeit der jetzigen Winterspiele hat einige Beobachter veranlasst, das IOC für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen.

    Der Historiker dazu: Auf den Nobelpreis könne das Internationale Olympische Komitee nur hoffen, wenn es endlich anfängt, seine Mitglieder nach dem Grundsatz der Treue gegenüber den Olympischen Idealen auszuwählen – nicht aber nach Geld- oder Machtkriterien.

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    Tags:
    Olympia, Vermittlung, Konfliktlösung, Friedensnobelpreis, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Internationales Olympisches Komitee (IOC), Südkorea, Nordkorea