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    "Iswestija": 42 Prozent der Russen betrachten sich als arm

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    MOSKAU, 22. Juni (RIA Nowosti). 61 Millionen Einwohner Russlands und damit 42 Prozent der Bevölkerung betrachten sich als arm. Das wurde am Dienstag bei der Präsentation eines Berichts zum Thema „Armut in Russland: eine Wirtschaftsanalyse" festgestellt. Der Bericht stützt sich auf eine Studie, die im Mai im Auftrag der Buchprüfungs- und Consultinggesellschaft FBK von Soziologen des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentr vorgenommen wurde, berichtet die renommierte Tageszeitung „Iswestija" am Mittwoch.

    Rund ein Viertel derjenigen, die sich als arm betrachten, sind junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren. Mehr noch: Die Jugend ist die einzige Bevölkerungsgruppe, in der der Anteil der Unterbemittelten (die Einkommen liegen unter dem Existenzminimum) seit 1992 zunimmt.

    Nach Ansicht von FBK-Experten ignorieren die Behörden diese Tatsache in ihren Kalkulationen und sind dabei Gefangene der offiziellen Statistik. Laut dieser nehme der Anteil der „wirklich Armen" in Russland ständig ab und habe Ende vergangenen Jahres 25,5 Millionen Menschen betragen.

    „Die Stimmungen der Menschen hängen nicht davon ab, wie viele Unterbemittelte der Staat registriert hat, sondern davon, wie sie sich selbst fühlen", so Igor Nikolajew, Direktor der FBK-Abteilung für strategische Analyse.

    In der Tat: Laut Umfragen (sowohl von Lewada-Zentr als auch der Holding ROMIR-Monitoring) ist es etwa die gleiche Zahl von 40 bis 42 Prozent der Bevölkerung, die zugeben: „Wir sind arm."

    Unter den verschiedenen Wegen des Kampfes gegen die Armut sehen mit 61 Prozent die Meisten den effektivsten in einer Erhöhung der sozialen Zahlungen (Löhne, Renten und Stipendien). Sobald aber das persönliche Einkommen der Befragten die 9000-Rubel-Marke übersteigt (ein US-Dollar = 28,54 Rubel), geht der Anteil der Bürger, die den Staat für die Steigerung ihres Lebensstandards zuständig machen, auf rund 38 Prozent radikal zurück. Zugleich verdreifacht sich der Anteil der Befragten, die der Aussage zustimmen, dass „die Menschen selbst für ihr Wohlergehen sorgen müssen, ohne eigene Probleme auf Staat und Gesellschaft abzuwälzen."

    Der Staat entledigt sich inzwischen still und leise der „fremden" Probleme. Im Lärm der Erklärungen über die wachsenden Staatshaushaltsausgaben für die soziale Sphäre ging eine bemerkenswerte Tatsache unter: Die Realeinkommen der Bevölkerung haben den Stand von 1991 immer noch nicht erreicht.