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    "Profil": Vorstellung der Russen vom Privateigentum entstellt

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    MOSKAU, 22. Juni (RIA Nowosti). Wie eine Umfrage des Instituts für komplexe Sozialstudien der Russischen Wissenschaftsakademie ergab, haben die meisten Russen eine einseitige Vorstellung vom Privateigentum: Die meisten verstehen darunter hauptsächlich Konsumgüter. Russische Experten gehen im neuesten Heft der wirtschaftspolitischen Wochenzeitschrift „Profil" auf dieses Problem ein.

    Michail Deljagin, Direktor des Instituts für Globalisierungsprobleme: Wenn ein Mensch beispielsweise keine Aktien eines großen Ölkonzerns besitzt und auch kein Geld hat, um diese zu kaufen (und das ist die Mehrheit in Russland), so nimmt er diese Papiere auch nicht als Privateigentum wahr. Wohnungen, Autos und Fernseher werden im postsowjetischen Russland selten entwendet. Das Entwenden von Unternehmen ist dagegen eine recht weit verbreitete Erscheinung. Betrieben das früher Geschäftsleute, so tut es jetzt auch der Staat. Der Staat erkennt Aktien und Werke nicht als Privateigentum an, deshalb nimmt er diese auch weg, meinen die Menschen.

    Jewgeni Gontmacher, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für soziale Studien: Eine kardinale Veränderung der Einstellung der Bevölkerung zum Institut des Privateigentums ist in nächster Zeit nicht zu erwarten, weil dieser Begriff mit Großkapital und Oligarchen verbunden wird. Die Macht bemüht sich leider nicht, dies zu widerlegen. Russland hat bereits einen Effektenmarkt, jeder Mensch auf der Straße kann kommen und Aktien kaufen. Zugleich wird die Propaganda im Lande so gestaltet, dass man mit diesem Schritt faktisch die klassenbezogene Grenze überwindet und von den Menschen weggeht, die ihr Brot „mit ehrlicher Arbeit" verdienen. Wer aber Aktien besitzt, der zieht Gewinne aus der Luft und betreibt Spekulationen. Gerade so, von den Positionen der sowjetischen Klischees aus, wird das auch von den meisten Mitmenschen aufgenommen.

    Wladimir Golownjow, Kovorsitzender der Unternehmerorganisation „Delowaja Rossija": Das Institut des Privateigentums in Russland ist in erster Linie infolge der Einstellung der Macht dazu nicht richtig entstanden. In Deutschland beispielsweise war die Haltung zum Privateigentum bei jeder Ordnung, selbst unter den Faschisten, unerschütterlich. Dies war stets die Urgrundlage. Nur in Russland war es so, dass das Wegrauben bei jedem Regime - ob „weiß" oder „rot" - möglich war. Die Geschäftsleute sehen, dass sich das Privateigentum mit Hilfe der administrativen Ressource umkrempeln lässt. Das ist eben kein Ansporn für die Festigung des Privateigentums.

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