23:22 18 Januar 2017
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    Umfrage: Russlands Menschen immer zynischer

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    MOSKAU, 29. Juni (RIA Nowosti). In den letzten 10 - 15 Jahren, so glauben die meisten Landesbürger, fanden in ihrer Umgebung solche Charaktereigenschaften eine Ausprägung, die auf die Erreichung persönlichen Erfolgs um jeden Preis abzielen: Zynismus und Rücksichtslosigkeit. Diese Eigenschaften nannten entsprechend 57 und 50 Prozent der Russen. Davon zeugen die Ergebnisse einer Meinungsumfrage, welche das Gesamtrussische Institut zum Studium der öffentlichen Meinung (WZIOM) veröffentlichte.

    Gleichzeitig verlieren Eigenschaften wie Aufrichtigkeit (67 Prozent), Ehrlichkeit (66 Prozent), Patriotismus und gegenseitiges Vertrauen (jeweils 65 Prozent), Gutwilligkeit (63 Prozent), Seelengüte (62 Prozent), Selbstlosigkeit (59 Prozent) und Treue im Freundeskreis (52 Prozent) an Bedeutung. Weniger wichtig sind nach Meinung der Befragten auch Werte wie Arbeitsliebe (45 Prozent), Aktivität und Initiative (43 Prozent) sowie die Fähigkeit zur Teamarbeit (38 Prozent).

    Jeder zweite Russe vermerkt dabei, dass er nicht um des eigenen Erfolgs willen gegen moralische Grundsätze verstoßen würde. Dennoch sind 40 Prozent der Respondenten bereit, mit den Grausamkeiten der modernen Gesellschaft amoralisches Verhalten im Interesse persönlichen Erfolgs zu rechtfertigen.

    Die überwiegende Mehrheit der Befragten halten nur drei von mehreren vorgegebenen Verhaltensweisen für amoralisch: Drogenkonsum (92 Prozent), Mängel bei der Erziehung der Kinder (91 Prozent) und Misshandlung von Tieren (82 Prozent). Nur 5 Prozent der Befragten halten den Drogenkonsum unter Umständen, 7 Prozent Fehler bei der Erziehung der Kinder und 13 Prozent die Quälerei von Tieren als zulässig.

    Als weniger anstößig sehen die Landesbürger folgende Verhaltensweisen an: 44 Prozent halten Schwangerschaftsabbrüche für zulässig, während 18 Prozent sich zu Abtreibungen tolerant verhalten. Entsprechend sehen 41 Prozent bzw. 19 Prozent das Schwarzfahren in öffentlichen Verkehrmitteln . Widerstand gegen die Polizei bejahen 44 Prozent der Befragten, während demgegenüber 8 Prozent ihn mit Nachsicht zur Kenntnis nehmen. Zur Wehrdienstverweigerung lauten die analogen Zahlen 43 Prozent und 12 Prozent. Bei Fundsachen sagen 36 Prozent, es wäre zulässig, sie zu behalten. 15 Prozent sehen nachsichtig auf ein derartiges Verhalten.

    Intolerant verhalten sich die Russen indessen zu Homosexualismus und zu Steuerhinterziehung; jeweils 59 und 54 Prozent lehnen derartiges Verhalten ab. Zu ehelicher Untreue teilten sich die Meinungen: 48 Prozent sieht dafür keine Rechtfertigung, während 44 Prozent sie hinnehmen.

    WZIOM führte die gesamtrussische Umfrage im Zeitraum 18. - 19. Juni unter 1.599 Respondenten in 153 Ortschaften aus 46 Regionen durch. Die statistische Fehlerquote liegt unter 3,4 Prozent.