17:04 20 Januar 2017
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    "Iswestija": Russen werden in Kreditfalle hineingelockt

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    MOSKAU, 18. Juli (RIA Nowosti). Mit der aktiven Entwicklung der Verbraucherkredite in Russland benehmen sich manche russische Kunden wie Kinder: Sie kaufen alles auf einmal, ohne zu berechnen, was für die Kredite bezahlt werden soll. Diese Ansicht äußerte Wassili Solodkow, Direktor des Bankeninstituts der Wirtschaftshochschule, am Montag in der "Iswestija".

    Solange der Umfang der Kredite nicht groß ist, ist das auch keine Tragödie, später kann sich aber die Situation verschärfen, meinten die von der Zeitung befragten russischen Experten.

    So kommentierten sie die Ergebnisse einer Studie des Meinungsforschungsinstituts ROMIR Monitoring, denen zufolge jeder vierte Bürger Russlands im zurückliegenden Jahr von Verbraucherkrediten Gebrauch gemacht hat. 20 Prozent von ihnen geben mehr als 25 Prozent des Familienetats und rund ein Drittel zwischen 16 und 25 Prozent für die Tilgung des Kredits aus.

    "Das ist sehr viel", stellt Jaroslaw Lissowolik, leitender Wirtschaftsexperte der Vereinigten Finanzgruppe, fest. "Wenn die Kreditrückzahlungen 40 Prozent und mehr von den Einnahmen des Kreditnehmers ausmacht, so ist dies ein überaus riskanter Kredit."

    Natalija Nikolajewa, Vizepräsidentin der Citibank, führt diese hohen Zahlen auf die geringen Einkommen der Bevölkerung zurück. Diese Meinung teilt auch Dmitri Janin, Vorstandsvorsitzender der Internationalen Konföderation der Konsumgesellschaften: "Wenn man berücksichtigt, dass die meisten Kredite für den Kauf von Haushaltsgeräten sowie von Ton- und Videotechnik aufgenommen werden, so zeugt die Summe von 25 Prozent davon, dass unsere Menschen nicht besonders reich sind."

    Darin liegt auch der Grund, warum die Kredite einen derart beachtlichen Teil des Familienetats verschlingen. Vom potentiellen Kreditnehmer wird ein Minimum an Papieren und Zeit verlangt. Die Bank übernimmt zusätzliche Risiken, die im Zinssatz berücksichtigt werden. Die realen Kreditkosten werden dabei als diverse zusätzliche Zahlungen getarnt. Im Ergebnis könnte der offizielle Jahreszinssatz von 24 bis 29 Prozent in Wirklichkeit bis zu 70 Prozent betragen.

    Die Ursache dafür ist die Armut der Bevölkerung und die Zinssatzpolitik der Banken. Nach Ansicht von Experten könnte die Leichtsinnigkeit der Russen bei der Kreditaufnahme in Zukunft zu ihrem völligen Bankrott führen.

    Eine radikale Senkung der Verbraucherkreditzinssätze ist in nächster Zeit nicht zu erwarten. "In der jetzigen Etappe, wo einige Segmente monopolisiert sind, während das Konkurrenzniveau nicht adäquat ist, bleibt der Faktor der hohen Zinssätze aktuell", so Lissowolik.

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