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    Kampagne gegen Sex-Sklaverei in der Türkei gestartet

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    ANKARA, 08. Februar (RIA Novosti). In der Türkei wurde eine Kampagne zur Rettung von Frauen aus der sexuellen Sklaverei gestartet. Darüber sprach die Leiterin der türkischen Mission der Internationalen Organisation für Migration (IOM) Marielle Sander Lindstrom mit RIA Novosti.

    "Jede dritte Frau in der Türkei, die Opfer des Menschenhandels wurde, hat Kinder. Die Mehrheit dieser Frauen ist 18 bis 24 Jahre alt. 60 Prozent stammen aus Moldawien und der Ukraine", sagte Lindstrom.

    "Meine Muttí hat versprochen zurückzukehren. Ich kann sie aber nirgends finden. Wo ist denn meine Mutti?", fragt ein schmächtiger Junge. "Haben Sie denn meine Mami gesehen?", schließt ihm ein kleines Mädchen mit großen traurigen Augen an.

    Mit dem Werbespot, in dem vier Kinder aus einem moldauischen Dorf bitten, ihnen die Mutter zurück zu geben, startete die IOM die Kampagne im türkischen Fernsehen.

    Nach Angaben dieser internationalen Organisation betrugen die Einnahmen aus dem Sexhandel 2005 in der Türkei rund 3,6 Milliarden US-Dollar. Im vorigen Jahr sind offiziell 469 Fälle der Befreiung von Frauen aus der sexuellen Sklaverei erfasst worden, berichtet Frau Lindstrom. "Wir meinen jedoch, dass die Zahl der Opfer des 'Prostitutionsexports' zehnmal höher ist".

    "Im Durchschnitt muss ein Kunde etwa 150 US-Dollar zahlen, manchmal sind es bis zu 15 am Tag. Wenn man die täglichen Einnahmen der offiziell erfassten Sklavinnen mit etwa 340 Tagen multipliziert, so ergibt sich die Summe von 3,6 Milliarden US-Dollar", erläutert die Leiterin der türkischen IOM-Mission.

    Wie sie sagte, ist die Türkei in den letzten Jahren zu einem internationalen Zentrum der illegalen Prostitution geworden, vor allem aber für die Frauen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

    "Hauptursachen für die sexuelle Sklaverei der Frauen sind Armut und die miserable wirtschaftliche Lage in ihren Ländern. In der Heimat liegen ihre Einnahmen kaum über zwei Dollar am Tag. Deshalb sind sie bereit, bei der Suche nach Überlebenschancen wohin auch immer zu reisen", bemerkt Lindstrom.

    Spezielle Vermittler werben die Frauen angeblich für einen Job als Tänzerinnen, Kellnerinnen oder Kindermädchen an. Der weitere Verlauf der Situation ist meistens typisch. Frau Lindstrom zeigt einen Zettel, geschrieben von einer Frau aus Moldawien, die aus der sexuellen Sklaverei gerettet wurde.

    "Ich bin in Moldawien 1980 geboren und habe zwei Kinder. Einer meiner Bekannten hat mir einen Job in der Türkei angeboten. Ich habe sofort zugesagt, denn sonst konnte ich meine Familie nicht unterhalten", schreibt die Frau. "Als ich in der Türkei ankam, hat mich ein Mann vom Flughafen abgeholt. Er nahm meinen Pass und brachte mich in ein Dorf. Dort sagte man mir, dass ich in der Sexindustrie arbeiten werde. Ich wollte ablehnen, doch man hat mir gedroht, meine Kinder werden getötet, falls ich mich weigere. Ich wurde gezwungen, mich mit dem Sex zu beschäftigen. Man hat mich eingesperrt und ständig Kunden zu mir gebracht. Einmal hat man mich gezwungen, sechs Kunden gleichzeitig zu bedienen. Man hat mich ständig verprügelt und misshandelt".

    Die Moldauerin konnte sich in Freiheit retten, weil sie die kostenlose Nummer 157 einmal im Fernsehen gesehen hatte. Sie rief an und wurde von Polizisten befreit.

    Die Hotline zur Hilfe für Frauen, die Opfer des Menschenhandels wurden, die Nummer 157, existiert seit 2005 in der Türkei. Über diese Rettungsnummer informieren spezielle Schilder auf allen türkischen Flughäfen.

    Die Leiterin der türkischen IOM-Mission schilderte einen weiteren Fall der Befreiung von Sex-Sklavinnen mit Hilfe dieser Hotline. Das passierte im vorigen Jahr in der türkischen Kurortprovinz Antalia. Fünf ukrainische Bürgerinnen waren in einem vier Quadratmetern kleinen Kellerraum eingesperrt. Sie wurden zur Prostitution gezwungen, obwohl ihnen vorher ein legaler Job versprochen wurde.

    Wie die Gesprächspartnerin der RIA Novosti berichtet, intensivierte die Türkei in den letzten zwei Jahren ihre Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen bei der Bekämpfung der kriminellen Vereinigungen, die Menschenhandel und den "Prostitutionsexport" betreiben. Im Rahmen dieses Programms stellten die USA der Türkei eine Beihilfe in Höhe von 700 000 Dollar bereit.

    Neben der Türkei sind auch Italien und Schweden engagierte Teilnehmer am IOM-Programm zur Bekämpfung des Menschenhandels.

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