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    "Kommersant": Bald Pfarrer in der russischen Armee?

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    MOSKAU, 14. Februar (RIA Novosti). Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft hat einen Gesetzentwurf über Militärpfarrer konzipiert und an das Verteidigungsministerium weitergeleitet, berichtet die Tageszeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Die Pfarrer sollen in den Dienstplan der Streitkräfte aufgenommen werden und militärische Dienstgrade erhalten. Dies soll nach Ansicht der Verfasser die Armeedisziplin erhöhen, den Patriotismus steigern und zur Verhinderung vorschriftswidriger Handlungen in der Armee beitragen.

    Gegner des Gesetzes betonen zugleich, dass eine Aufnahme von Geistlichen in den Stellenplan der Streitkräfte verfassungswidrig wäre. Nach ihrer Ansicht könnten die Geistlichen in den Truppen lediglich religiöse Fehden provozieren.

    Bisher haben Vertreter verschiedener Konfessionen ausschließlich nebenamtlich in der Armee gedient. Nach Angaben der Russisch-Orthodoxen Kirche befinden sich derzeit rund 2 000 Geistliche in den Truppen. Indessen bräuchte die Armee rund 5 000 Pfarrer.

    Der Gesetzentwurf enthält vorerst keinen konkreten Regelungen für den Dienst von Geistlichen in den Streitkräften. Wie es im Verteidigungsamt hieß, erwogen die Militärs u. a. die Bildung eines Geistlichenkorps in der Armee nach dem amerikanischen Muster. "In der USA-Armee hat die Militäreinheit einen Geistlichen, der nach beliebigem religiösen Kult Dienste zelebrieren kann", hieß es.

    Nafigulla Aschirow, Kovorsitzender des Mufti-Rates Russlands, bewertet die Idee eines kollektiven Geistlichen als absurd. "Dies ist für keine der Konfessionen annehmbar. Ein und dieselbe Person kann nicht einmal zwei Konfessionen vertreten, weil er an die fremden religiösen Überzeugungen nicht glaubt."

    Alexej Sigutkin, Vizechef des Staatsduma-Verteidigungsausschusses, sieht die Gefahr einer Verstärkung interkonfessioneller Fehden im Falle der Einführung des Postens eines Militärpfarrers. "Offensichtlich wird nur eine Konfession Priorität bekommen", meinte er. "Angesichts des Anteils der orthodoxen Einwohner in Russland wird das die Russisch-Orthodoxe Kirche sein." Außerdem werde "die Kirche den Wunsch bekommen, Militärangehörige gegen deren Willen für ihre Konfession zu gewinnen".

    Diese Befürchtungen teilt auch Nafigulla Aschirow: "Dies könnte zu einer Desorganisation der Streitkräfte führen. Die Armee muss außerhalb der Politik und einer religiösen Konkurrenz stehen."

    Im Verteidigungsministerium, dem der Gesetzentwurf vorgelegt wurde, wird zwar die Idee als solche begrüßt. Gezweifelt wird allerdings an der Zweckmäßigkeit einer Aufnahme von Pfarrern in den Stellenplan der Streitkräfte. "Laut Verfassung ist der Staat von der Kirche getrennt", betonte ein Sprecher des Verteidigungsamtes.

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