22:45 10 Dezember 2019
SNA Radio
    Panorama

    Gibt es in Russland Feminismus?

    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 31
    Abonnieren

    MOSKAU, 07. März (RIA Novosti). Die Frage "Gibt es in Russland Feminismus?" wird von den meisten russischen Bürgern mit "Nein" beantwortet. Laut den Experten ist das historisch bedingt und erklärt sich mit den nationalen Traditionen.

    Die Frauenbewegung in Russland ist Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Aber die russischen Feministinnen waren nie bestrebt, eine spezifische Frauenkultur zu schaffen, die der Männerkultur gegenübergestellt werden sollte - weder im 19. Jahrhundert, als sie um ihr Recht auf Bildung kämpften, noch in den 1920er Jahren, als sie eine sexuelle Revolution propagierten, noch späterhin, als sie in den 70er und Anfang der 80er Jahre gegen die "falsche" Emanzipation der Sowjetfrauen auftraten. Ein Ausbruch des Feminismus erfolgte in den 90er Jahren.

    Nach 1995 ist der Feminismus "aus der Mode gekommen". Die Begeisterung der westlichen Stiftungen über den russischen Feminismus ebbte ab. Es gab immer weniger feministische Zeitschriften und Web-Seiten. Im Parlament gibt es schon keine feministische Fraktion mehr. Es gibt zwar in Russland eine Frauenbewegung, aber sie steht in keiner direkten Beziehung zum Feminismus.

    Nach Auffassung der bekannten russischen Feministin Nadeschda Aschgichina gibt es in Russland keine einheitliche Organisation, die das geistige, schöpferische und politische Potential der Frauen akkumuliert und fähig ist, die Macht zu beeinflussen. Auch gibt es keine charismatische Führungsperson, die andere leiten könnte. Aschgichina erinnert daran, dass der Feminismus vom Westen ins heutige Russland gekommen war, und äußert ihr Bedauern darüber, dass "der Westen von heute den russischen Feministinnen nicht mehr als das einzig richtige Modell und die westlichen Frauen nicht mehr als Missionare erscheinen".

    Was die Rolle der Frauen in der russischen Gesellschaft betrifft, so werden unterschiedliche Meinungen dazu geäußert. "Die Rolle der Frauen wächst", sagt Galina Karelina, Vorsitzende des sozialen Versicherungsfonds. "Ihre Rolle in der Geschäftstätigkeit ist bedeutend, was in der Politik nicht der Fall ist", meint die Soziologin Olga Kryschtanowskaja dazu. Und die Erste Stellvertreterin des Staatsduma-Vorsitzenden Ljubow Sliska behauptet: "Wir werden noch lange warten müssen, bis die Rolle der Frau in unserer Geschichte sichtbar wird. In der Politik nehmen Frauen einen der letzten Plätze ein."

    Am 6. März hat in der Staatsduma (Parlamentsunterhaus) ein Rundtisch-Gespräch stattgefunden, bei dem der Gesetzentwurf "Über die staatlichen Garantien für die gleichen Rechte und Freiheiten und die gleichen Möglichkeiten für Männer und Frauen in der Russischen Föderation" erörtert wurde. Es ist drei Jahre her, dass das Dokument in erster Lesung angenommen worden war. Und erst jetzt ist die zweite Lesung für April angesetzt worden.

    Es gibt zwar im russischen Recht - so die Urheber des Gesetzentwurfes - keine Normen, die die Rechte der Frauen oder der Männer einschränken, aber nicht alle Gesetze sind mit einem Mechanismus zur gleichen Wahrung dieser Rechte versehen.

    Beispielsweise sind bei den gleichen Möglichkeiten für die Wahl in die Machtorgane nur 44 der insgesamt 450 Dumaabgeordneten Frauen. Unter den 178 Mitgliedern des Föderationsrates (Parlamentsoberhaus) gibt es nur zehn Frauen. In der russischen Regierung gibt es keine Frauen.

    Etwa die Hälfte der berufstätigen Bürger Russlands (mehr als 32 Millionen) sind Frauen. Sie haben ein höheres Bildungsniveau gegenüber den Männern. Frauen machen 60 Prozent der berufstätigen Bürger mit Hochschulabschluss aus, ihr Lohnniveau liegt dabei um 36 Prozent unter dem der Männer.

    Trotz des direkten Verbotes einer Geschlechtsdiskriminierung sind Frauen viel häufiger mit ernsthaften Verstößen gegen ihre Rechte konfrontiert. Nach Ansicht der Abgeordneten könnte die entstandene Situation mit der Annahme des Gesetzentwurfes geändert werden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Mittelpunkt wird Deutschland sein“: USA planen größtes Manöver seit Kaltem Krieg – US-General
    Warum wurde der in Berlin ermordete Georgier trotz Moskaus Gesuchen nicht ausgeliefert? – Interview
    Unfassbarer Vorfall auf A72: Unfallverursacher schubst 83-Jährige nach Zusammenstoß auf Autobahn