02:50 23 Oktober 2017
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    Keine Loveparade in Moskau

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    MOSKAU, 26. Mai (RIA Novosti). Das Moskauer Stadtbezirksgericht Twerskoj hat in der heutigen Verhandlung der Beschwerde der Veranstalter der ersten Loveparade in der Geschichte Russlands gegen das Verbot durch die Stadtregierung nicht stattgegeben.

    Bis zu 2000 Teilnehmer waren zu dem Umzug erwartet worden, der für den 27. Mai, den Tag, an dem weltweit der Homophobie der Kampf angesagt ist, geplant war. Die Aktion war am 15. Mai beim Bürgermeisteramt beantragt worden, doch drei Tage später gaben die Behörden einen abschlägigen Bescheid. Es sei nicht möglich, so hieß es in der Begründung, den starken Straßenverkehr dort abzusperren, wo die Teilnehmer auf sich aufmerksam machen wollten.

    Die Initiatoren luden den russischen Präsidenten, Wladimir Putin, zur Teilnahme am Internationalen Tag des Kampfes gegen Homophobie ein und baten ihn um Unterstützung. Der Leiter des Projektes GayRussia.ru und einer der Hauptinitiatoren des Umzugs, Nikolai Alexejew, erklärte, das Ziel bestehe darin, die Aufmerksamkeit "der Gesellschaft und der Behörden auf die Probleme zu lenken, auf die Personen homosexueller Orientierung bei der Wahrung der Menschenrechte stoßen, sowie auf Homophobie, auf Faschismus und Fremdenfeindlichkeit aufmerksam zu machen".

    Nach der Absage durch die Moskauer Stadtregierung hat Human Rights Watch Oberbürgermeister Juri Luschkow wegen Diskriminierung von Homos und Lesben an den Pranger gestellt. Ihren Protest machten auch das Moskauer Büro für Menschrechte, die Moskauer Helsinki-Gruppe und Amnesty International geltend.

    Außerdem ist am 15. Mai eine Erklärung des Generalsekretärs der PACE, Terry Davis, veröffentlicht worden, in der es heißt, die russischen Homos und Lesben "müssen das Recht auf volle und bedingungslose Respektierung ihrer Grundrechte und Freiheiten" haben. Ferner wird in der Erklärung festgestellt, die russischen Behörden müssten die Teilnehmer an gewaltsamen Übergriffen auf Homos und Lesben, die sich in der letzten Zeit häuften, zur Verantwortung ziehen. Die Rede ist von einer Aktion des Russischen Gesamtnationalen Verbandes, dessen Aktivisten am 30. April und am 1. Mai einige Zusammenkünfte der Gays gesprengt hatten.

    Die Entscheidung kritisierten auch die Oberbürgermeister von London, Berlin und Paris, die Luschkow aufriefen, sich zu revidieren. Doch es fanden sich auch mehr als genug Gegner einer Loveparade in Moskau. Von verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen einmal abgesehen, sprachen sich einige Kirchenführer recht rüde gegen das Vorhaben aus, darunter Patriarch Alexi II. Er brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die überwiegende Mehrheit der Bürger Russlands der Regierung Moskaus "für die gezeigte Fürsorge in Bezug auf die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Moral" dankbar sei.

    Homos und Lesben in Moskau sind sich allerdings selbst nicht einig. Wie Gazeta.ru berichtete, ging in der Redaktion schon kurz nach Beantragung der Loveparade durch GayRussia.ru die gemeinsame Erklärung einer anderen Strömung von Homos und Lesben ein. Sie erklärte, dass "die Absicht von Herrn Alexejew, eine Loveparade durchzuführen, nicht zeitgemäß, gefährlich und provokativ ist, weil der Grad der Informiertheit und der Toleranz in Russland für die Durchführung derartiger Aktionen nicht genügend hoch ist".