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    Russischer Gesundheitsminister und Problem der Adoption - Hintergrund

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    MOSKAU, 24. Juli (RIA Novosti). Vor etwa vier Monaten hat Michail Surabow, Russlands Minister für Gesundheitswesen und Sozialentwicklung, ein Kind adoptiert. "Es ist ein Junge, zwei Jahre alt", sagte der Minister in einem Interview für Journalisten nach Abschluss einer Regierungssitzung, in der Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Kinder in Russland beraten wurden.

    Vor der Adoption hatte die Familie Surabow bereits eigene Kinder: einen Jungen und ein Mädchen. Etwas früher sprach der tschetschenische Regierungschef Ramsan Kadyrow, Vater von fünf Kindern, von seiner Bereitschaft zur Adoption. "Ich gebe jedem dieser Kinder meinen Familiennamen und ziehe sie groß, wenn sie das wünschen", erklärte Kadyrow bei einem Besuch im Kinderheim "Meine Familie" in Grosny.

    Auskunft. Das Kinderheim "Meine Familie" zählt 57 Kinder und Jungendliche im Alter von 2 bis 19. Jahren. Laut Angaben des Ministeriums für sozialen Schutz der Republik sind in Tschetschenien 19 000 Waisen und 24 000 Halbwaisen registriert.

    Gegenwärtig gehört das Adoptionsproblem in Russland zu den am meisten erörterten. Zum Teil erklärt sich das damit, dass in der jüngsten Botschaft des Präsidenten an die Föderale Versammlung das Thema von Mutterschaft und Kindheit als mit vorrangig und das Problem der Adoption von Waisen durch russische Bürger als eines der aktuellsten Probleme bezeichnet wurde.

    Indes sind laut soziologischen Umfragen gegenwärtig 72 Prozent von Russlands Bürgern nicht bereit, ein elternloses Kind zu adoptieren, schreibt die Verlagsagentur "Denj"; 40 Prozent der Russen haben die entsprechende Frage mit "entschieden nicht" und 32 Prozent mit "eher nicht" beantwortet. 22 Prozent wären am ehesten bei Vorhandensein der entsprechenden Wohnverhältnisse und materiellen Bedingungen zur Adoption bereit.

    Der häufigste Grund, aus dem die Russen keine Kinder adoptieren können, sind niedrige Familieneinkünfte, wie die Angaben einer Umfrage des WZIOM (Gesamtrussisches Meinungsforschungsinstitut) vom Juni 2005 zeigen. 32 Prozent der Russen meinen, dass sie bei der Verbesserung der eigenen Finanzlage ein Kind adoptieren könnten. Anhand der Schätzungen der Befragten müssten ihre Einkünfte hierbei doppelt bis dreifach so hoch sein wie gegenwärtig.

    Unter den selteneren Gründen für die Unmöglichkeit, Kinder zu adoptieren, nennen die Befragten altersbedingte Beschränkungen (20 Prozent der Befragten sind über 60 Jahre alt); ein Hindernis für 17 Prozent der Russen ist das Vorhandensein eigener Kinder in der Familie. Auf unbefriedigende Wohnverhältnisse sowie das Fehlen des Bedürfnisses nach Adoption und der Bereitschaft zur Adoption wegen einer lieblosen Einstellung zu "fremden" Kindern und ihrer wahrscheinlichen schlechten erblichen Belastung haben sich 6 beziehungsweise 5 Prozent berufen.

    Auskunft. Gemäß offiziellen Statistiken zählt die Russische Föderation gegenwärtig etwa 800 000 Waisen und ohne Elternpflege gebliebene Kinder. Nach dem Stand vom 01.01.2005 werden 545 000 Kinder (68 Prozent) in den Familien erzogen (375 000 in Pflegeschaft beziehungsweise unter Vormundschaft, 11 000 in Familien von Erziehern und 159 000 an Kindes statt).

    Im Westen gilt eine Adoption weder als ungewöhnlich noch als etwas Ausgefallenes. Angelina Jolie, Michelle Pfeiffer, Nicole Kidman, Meg Ryan, Sharon Stone: All diese Frauen haben schon längst ihre Wahl getroffen und sind als Adoptivmütter glücklich. Man braucht sie nur einmal anzusehen, um zu verstehen: "Fremde" Kinder gibt es nicht.

    Vor kurzem hat Angelina Jolie eine Tochter geboren. Shyloh Nouvel, wie die glücklichen Eltern das Mädchen genannt haben, ist nun das dritte Kind in der Familie Pitt - Jolie. Ihr erstes Kind, den Kambodschaner Maddox aus einem Kinderheim in der Stadt Battambang, adoptierte die Schauspielerin im November 2001, und 2005 adoptierte sie das Mädchen Zahara, eine Waise aus Äthiopien, deren Eltern an Aids gestorben waren. "Maddox freute sich sehr über ein neues Familienmitglied", zudem liebe er Afrika und habe sich ein schwarzes Brüderchen oder Schwesterchen gewünscht, erzählte die Schauspielerin. Heute ist Angelina Jolie überglücklich, auf jeden Fall behaupten das ihre Freunde. Wie sie sagen, sei ihr Lebenstraum - eine große Familie zu haben - in Erfüllung gegangen.

    Ebenso wie Jolie genießt jetzt auch eine andere Hollywooder Berühmtheit, Sharon Stone, die dreimal verheiratet war, ihre Mutterschaft. Ihre drei Kinder sind sämtlich adoptiert. Die Schauspielerin Meg Ryan ("Sleepless in Seattle", "When A Man Loves A Woman", "Restoration" und andere) ist vor kurzem nach China gekommen, um die Formalitäten zwecks Adoption eines Kindes zu erledigen. Zur Zeit ist die Schauspielerin nicht verheiratet, von ihrem ehemaligen Ehemann Dennis Quaide hat sie einen Sohn.

    Calista Flockhart ist alleinstehende Mutter, ihr Adoptivsohn Liam wurde in den USA geboren. Michelle Pfeiffer hat kurz vor der Begegnung mit ihrem derzeitigen Ehemann, David Kelley, und der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes John Henry das Mädchen Claudia Rose an Kindes statt angenommen. Zu denen, die Adoptivkinder erziehen, gehören Nicole Kidman (das erste Kind, Isabella, adoptierte sie gemeinsam mit Tom Cruise im Februar 1993, das zweite, den Jungen Connor Anthony, zwei Jahre später) und Diane Keaton. Diese Liste könnte noch lange fortgesetzt werden. Wichtig ist, dass all diesen Frauen eines gemein haben: Sie sind Mütter und darauf stolz.

    Auskunft. Formen der Adoption.

    Adoption (Annahme an Sohnes beziehungsweise Tochter statt): Aufnahme eines Kindes in eine Familie als leibliches Kind, mit allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten. Das ist die günstigste Form, weil sich das Kind als vollwertiger Familienangehöriger empfinden kann. Die Adoptiveltern können dem Kind den eigenen Familien-, (Vaters-) und Vornamen geben und sogar in einigen Fällen sein Geburtsdatum verändern.

    Pflegschaft oder Vormundschaft: Aufnahme eines Kindes in eine Familie mit den Rechten eines Mündels. Die Vormundschaft wird über Kinder, die noch nicht 14 Jahre alt sind, die Pflegschaft über Jugendliche im Alter von 14 - 18 Jahren übernommen. Der Vormund hat alle elterlichen Pflichten zu erfüllen und trägt die volle Verantwortung für das Kind. Aber die Vormundschaftsorgane beaufsichtigen die Bedingungen des Unterhalts, der Erziehung und Bildung des Kindes oder Jugendlichen. Die Vormundschaft kann befristet oder unbefristet sein.

    Die Formalitäten einer Vormundschaft werden in kürzerer Zeit als die der Adoption erledigt. Dem Kind steht ein allmonatlicher Zuschuss zu, der Vormund wird bei der Ausbildung, Erholung und ärztlichen Behandlung des Kindes unterstützt. Bei Vollendung des 18. Lebensjahres weist der Staat dem Jugendlichen eine Wohnung zu. Ein Nachteil ist, dass kein Vormundschaftsgeheimnis besteht, auch Kontakte mit Blutsverwandten des Kindes werden nicht ausgeschlossen.

    Das Patronat (Familienerziehungsgruppe) gilt heute als die vorzuziehende Form der Überführung von Kindern in eine Familie. Das Patronat kann zeitweilig den Aufenthalt in einem Heim ersetzen und wird oft als Übergangsform zur Vormundschaft oder Adoption verwendet. In die Verantwortung für das Kind teilen sich der Patronatserzieher, die Heim- oder Waisenheimleitung und die Vormundschaftsorgane.

    Das Kind genießt den vollen staatlichen Unterhalt, ihm wird Hilfe von Ärzten, Pädagogen und Sozialarbeitern gesichert, und der Patronatserzieher erhält ein Gehalt. Doch wenn es zu keinem Vertrauensverhältnis zwischen dem Kind und dem Erwachsenen kommt, kann das Kind wieder in die staatliche Einrichtung aufgenommen werden.

    Das Material wurde von der Internet-Redaktion www.rian.ru anhand von Informationen der RIA Novosti und anderer Quellen zusammengestellt.

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