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    Unruhen in Karelien werden von den Behörden als Alltagskonflikt bewertet

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    MOSKAU, 04. September (RIA Novosti). Der Vorsitzende der Regierung der Tschetschenischen Republik, Ramsan Kadyrow, ist absolut überzeugt, dass Forderungen, Menschen ausschließlich nach dem nationalen Merkmal auszuweisen, verfassungswidrig sind und einen klar ausgeprägten nationalistischen Charakter haben.

    Das teilte der Pressedienst der tschetschenischen Regierung mit.

    Die Erklärung gab Kadyrow im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Stadt Kondopoga (Karelien, Nordwesten Russlands) ab, wo in den letzten Tagen Massenunruhen stattfanden, die durch eine Schlägerei zwischen örtlichen Einwohnern und Tschetschenen ausgelöst worden waren.

    Der tschetschenische Regierungschef hob hervor, dass die Menschen, die in Kondopoga verfolgt werden, russische Bürger sind, die dieselben Rechte und Pflichten haben. "Die Schuldigen müssen unabhängig von der nationalen Zugehörigkeit bestraft werden. Aber das muss auf dem Rechtswege erfolgen", heißt es in der Erklärung.

    Die Situation in Kondopoga spitzte sich in der Nacht zum 30. August drastisch zu, als sich im Zentrum der Stadt, im Restaurant "Tschaika", eine Massenschlägerei ereignete. Im Ergebnis kamen zwei Stadteinwohner ums Leben. Einige weitere Einwohner wurden in Krankenhäuser gebracht.

    Die Behörden von Karelien behaupten, dass die Unruhen in Kondopoga ein Alltagskonflikt seien. Der Republikchef, Sergej Katanandow, erklärte, dass die Situation unter Kontrolle sei, und rief auf, diesen Ereignissen keine "ethnische Färbung" zu verleihen.

    Wie verschiedene Massenmedien mitteilten, überfielen die Pogromteilnehmer in erster Linie Verkaufsstellen und Garagen, die Kaukasiern gehörten. Dabei folgten die Pogrome auf eine antitschetschenische Massenkundgebung, die im Zentrum der Stadt am Samstag stattfand. Die Kundgebungsteilnehmer forderten von den Behörden, alle Tschetschenen aus der Stadt zu deportieren und die Schuldigen zu bestrafen. Am Sonntag lieferte die tschetschenische Diaspora in Kondopoga als Zeichen des guten Willens Tschetschenen an die Rechtsschutzorgane aus, die der Tötung der Stadtbewohner verdächtigt werden.

    Größte zwischenethnische Zusammenstöße in Russland:

    Am 21. April 2001 organisierten etwa 200 Menschen in Moskau einen Pogrom auf dem Markt im Stadtbezirk Jassenewo. Sie verkündeten rassistische Losungen und demolierten etwa 30 Verkaufsstände. Zehn Menschen, vorwiegend Verkäufer aus Aserbaidschan, wurden verletzt. Das Moskauer Stadtgericht verurteilte drei Pogromteilnehmer am 27. Februar 2004 zu 2,5 bis 3,5 Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung.

    Am 30. Oktober 2001 ereigneten sich auf dem Markt in der Nähe der U-Bahn-Station Zarizyno und im Raum der U-Bahn-Stationen Kachowskaja und Kaschirskaja im Süden Moskaus Zusammenstöße, woran etwa 300 Menschen teilnahmen. Junge Leute verprügelten mit Metallstangen Verkäufer aus dem Kaukasus. Vier Kaukasier kamen ums Leben und mehr als 80 wurden verletzt. Für die Teilnahme an dem Pogrom wurden fünf Menschen zu vier bis neun Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt.

    Im Mai 2002 ereignete sich im Rayonzentrum Tschastooserje (Gebiet Kurgan, Westsibirien) eine Schlägerei zwischen Russen und Tschetschenen, woran etwa 400 Menschen teilnahmen. Zum Anlass wurde die Vergewaltigung eines dortigen Mädchens durch Tschetschenen. Ein Tschetschene wurde mit einer Schussverletzung in ein Krankenhaus gebracht.

    Im September-Oktober 2003 in Naltschik (Kabardino-Balkarien, Teilrepublik Russlands im Kaukasus) gab es gleich mehrere Fälle, wo tschetschenische Studenten zusammengeschlagen wurden. Die Massenschlägereien ereigneten sich am 15. und 17. September und es waren jeweils 200 bis 300 Menschen beteiligt. Über 50 wurden verletzt. Laut Massenmedien war der Auslöser vermutlich ein Streit in einem Linientaxi, bei dem einige Tschetschenen einen örtlichen Einwohner grausam zusammenschlugen.

    Am 14. Februar 2005 steckten etwa 20 Einwohner der Stadt Iskitim im Gebiet Nowosibirsk mehr als zehn Häuser einer Zigeunersiedlung in Brand. Die Aktion wurde mit dem Kampf gegen den Drogenhandel durch Zigeuner begründet. Nach dem Pogrom verließen etwa 400 Zigeuner die Stadt.

    Am 23. März 2005 verprügelten 150 bis 200 Kosaken in der Schwarzmeerstadt Noworossisk einige Dutzend Armenier und demolierten einige Verkaufsstellen und Cafés, die diesen gehörten. Auslöser war die Verletzung eines Kosaken bei einer Schlägerei.

    Am 6. August 2005 ereignete sich eine Massenschlägerei im Ergebnis eines Alltagsstreits zwischen Bewohnern der Siedlungen Moschob (Dagestan) und Nowosselskaja (Tschetschenien). Drei Dagestaner und 24 Tschetschenen wurden ernsthaft verletzt. Sieben Teilnehmer an den Unruhen wurde des Rowdytums beschuldigt.

    Am 18. August 2005 ereigneten sich im Dorf Jandyki im Gebiet Astrachan Zusammenstöße zwischen Kalmyken und Tschetschenen. Anlass war die Tötung eines jungen Kalmyken während einer Massenschlägerei. Nach der Beisetzung gingen 300 Kalmyken durch das Dorf, schlugen Tschetschenen zusammen und steckten deren Häuser in Brand. Einige Dutzend Tschetschenen wurden verletzt. Acht Häuser wurden verbrannt. Zwölf Tschetschenen und ein Kalmyke wurden zu 2,5 bis sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

    Am 23. September 2005 ereignete sich in Naltschik (Kabardino-Balkarien) eine Schlägerei zwischen kabardino-balkarischen und tschetschenischen Studenten, woran etwa 200 Menschen teilnahmen. Eine Stunde später fand am Gebäude der Kabardino-Balkarischen Universität eine Kundgebung mit der Forderung statt, alle Tschetschenen aus der Stadt zu deportieren.

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