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    Mussolinis Enkel verlangt Exhumierung des Duce

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    Guido Mussolini, ein Enkelsohn des faschistischen Diktators Benito Mussolini, forderte die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Como auf, die Exhumierung der Überreste seines Großvaters zu veranlassen, damit die wahren Umstände seines Todes festgestellt werden könnten.

    ROM, 05. September (RIA Novosti). Guido Mussolini, ein Enkelsohn des faschistischen Diktators Benito Mussolini, forderte die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Como auf, die Exhumierung der Überreste seines Großvaters zu veranlassen, damit die wahren Umstände seines Todes festgestellt werden könnten.

    In einer offiziellen Erklärung der Anwälte des Enkels des Duce wird betont: Erstmalig, 60 Jahre nach dem Tod von Mussolini, sei es notwendig, "die Todesursachen juristisch festzustellen". Dazu seien ein medizinisches Gutachten und folglich eine "Exhumierung der Gebeine zwecks Durchführung der erforderlichen Untersuchungen" notwendig, heißt es in diesem Dokument.

    Guido Mussolini ist 69 Jahre alt, er ist Sohn von Vittorio Mussolini, der seinerzeit nicht wenig für die Entwicklung des italienischen Filmwesens getan hatte. Vor einigen Monaten bat der Enkel des Duce den Anwalt Luciano Randazzo, die Möglichkeit einer offiziellen Untersuchung der Todesumstände seines Großvaters zu prüfen.

    "Die offizielle Historiographie hat 19 unterschiedliche Versionen der Ereignisse jener Tage angeboten, aber auf juristischem Wege war die Wahrheit in Wirklichkeit nie festgestellt worden", erklärte Randazzo in diesem Zusammenhang.

    In der Tat sind nicht alle Todesumstände des faschistischen Diktators bis heute genau geklärt.

    Laut offizieller Version hat Mussolini zusammen mit seiner Geliebten, der Schauspielerin Claretta Petacci, versucht, mit einer Abteilung von ungefähr 200 deutschen Soldaten und Offizieren aus Italien in die Schweiz zu fliehen. Am 27. April 1945 wurde die Formation der Deutschen durch eine Partisanenabteilung zum Stehen gebracht, und einer der Partisanen erkannte in einem Mann, der in deutscher Soldatenuniform auf dem Lastwagen saß, den Duce wieder. Die Partisanen ließen die Deutschen die Grenze passieren, Mussolini und Petacci aber brachten sie in das Dorf Dongo und ließen sie in einem Bauernhaus übernachten.

    Es wird angenommen, dass die Information über die Verhaftung Mussolinis unverzüglich beim Oberkommando der alliierten Truppen eingegangen war und zwischen den Geheimdiensten der USA und Großbritanniens ein Wettbewerb um das Recht entbrannte, den Ex-Diktator zu entführen und eine unschätzbare Informationsquelle zu bekommen. Doch sollten diese Pläne nicht verwirklicht werden, denn auf Befehl der Führung der Widerstandsbewegung von Norditalien bemächtigte sich Walter Audisio, der unter den Partisanen als "Colonello Valerio" bekannt war, des Duce.

    Am 28. April 1945 um 16.10 Uhr soll Audisio persönlich Mussolini und Petacci in der Umgebung von Dongo mit einer MPi erschossen haben. Darauf wurden ihre Leichen nach Mailand gebracht und an den Beinen an einem Balken der Tankstelle auf dem Loreto-Platz aufgehängt.

    Diese Lesart hat, und zwar mit zahlreichen naturalistischen Einzelheiten, Audisio selbst dargelegt; nach dem Krieg wurde er von der Italienischen Kommunistischen Partei ins Parlament gewählt und starb erst 1973.

    In verschiedenen Erzählungen von Colonello Valerio waren jedoch deutliche Unterschiede in Bezug auf die Todesumstände des Duce festzustellen. Das lieferte Mussolinis Nachfolgern den Vorwand, die ganze Version der Geschehnisse vom April 1945 in Zweifel zu ziehen.

    So tauchte das Zeugnis eines gewissen medizinischen Experten auf, der angeblich bei der Besichtigung der Leichen von Mussolini und Petacci anwesend war und der behauptet, die Kugellöcher an der Kleidung und den Leichen würden einander nicht entsprechen. Daraus wurde geschlussfolgert, dass sie in der Nacht und entkleidet getötet worden seien. Außerdem seien gemäß dieser Version beide historische Figuren schrecklich misshandelt und dann erstickt worden.

    Auch die Historiker sind sich über die Umstände und Ursachen von Mussolinis Tod nicht ganz einig. So wird unter ihnen zum Beispiel weiter darüber diskutiert, ob es sich in diesem Fall um einen impulsiven Akt der Volksvergeltung oder um die Beseitigung eines Politikers handele, weil ein Gerichtsprozess gegen ihn für bestimmte Personen unerwünscht gewesen sei. Schließlich wird in diesem Zusammenhang die Frage aufgeworfen, wer konkret den Befehl zur Tötung des Duce erteilt habe und ob nicht namhafte Politiker jener Zeit in die Sache verwickelt gewesen seien.

    Übrigens hatte Mussolini seinerzeit umfassende Kontakte und Briefwechsel mit vielen prominenten europäischen Staatsmännern unterhalten. Bekannt ist unter anderem, dass er lange Zeit hindurch Churchills lobende Briefe aufbewahrte.

    Wie dem auch sei, die Umstände des Todes des Duce liefern bis heute einen Vorwand für allerlei historisch-politische Spekulationen.