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    Schweizer Dispatcherdienst Skyguide übernimmt Verantwortung für Flugzeugunglück

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    GENF, 25. Mai (RIA Novosti). Der Schweizer Dispatcherdienst bittet die Verwandten der Opfer um Verzeihung und übernimmt die Verantwortung für die Tragödie am Bodensee, berichtete die Zeitung Tribune de Geneve. Die Zeitung veröffentlichte ein Interview mit dem Direktor von Skyguide, Francis Schubert.

    Die Katastrophe am Bodensee am 1. Juli 2002 passierte im Verantwortungsbereich von Skyguide. Im Luftraum von Deutschland stießen eine Tu-154 der russischen „Baschkirischen Fluglinien“ und ein Transportflugzeug Boing der Fluglinie DHL zusammen. 71 Menschen starben, größtenteils russische Kinder, die auf dem Weg in den Urlaub nach Spanien waren.

    Schubert sagte, sein Dispatcherdienst bitte nicht zum ersten Mal um Verzeihung, gestand jedoch ein, dass Skyguide sich oft sehr taktlos zu den Verwandten verhalten hätte und zugab, dass eine wirkliche Entschuldigung sehr spät gekommen sei.

    Unmittelbar nach der Katastrophe hatte Skyguide alle Schuld auf die russischen Piloten geschoben, die angeblich die Anweisungen des englisch sprechenden Dispatchers falsch verstanden hätten.

    Erst im Mai 2004, nach der Veröffentlichung des Berichts der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), gestand Skyguide seine Mitschuld und bat die Familien der Opfer um Verzeihung. Die Experten der BFU gaben Skyguide die Hauptschuld und den beiden Piloten des russischen Flugzeugs eine Mitschuld.

    In der Schweizer Stadt Bülach findet jetzt das Gerichtsverfahren zu dieser Katastrophe statt. In der vorigen Woche standen acht Mitarbeiter von Skyguide vor Gericht, die der fahrlässigen Tötung von vielen Menschen beschuldigt wurden. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 15 Monaten. Sie alle leugneten vor Gericht ihre Schuld und beschuldigten den Fluglotsen Peter Nilsen, der im Februar 2004 von dem russischen Bürger Vitali Kalojew umgebracht worden war. Kalojew hatte bei dem Flugzeugunglück seine Frau und seine beiden Kinder verloren. Der frühere Direktor von Skyguide Alan Rossier, der erst im Dezember 2006 Jahres in Pension gegangen ist, gehört nicht zu den Beschuldigten. Kalojew wurde 2005 von einem Züricher Gericht des vorsätzlichen Mordes für schuldig befunden und zu acht Jahren Haft verurteilt.

    Auf die Frage, warum die Mitarbeiter von Skyguide weiterhin ihre Schuld leugnen, antwortete Schubert, dass sie vor Gericht nicht die offizielle Position der Gesellschaft verträten.

    Anfang dieser Woche sprach Schubert in Bülach mit den angereisten Angehörigen der Opfer und sagte, er habe sie um Verzeihung gebeten und versichert, dass Skyguide alles tun werde, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederhole. Er betonte, sehr froh zu sein, dass er angehört wurde und ein Dialog zustande kam.

    Die Anklage im Prozess bestätigt, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können, wenn in der Nacht des Flugunglücks nicht ein, sondern zwei Fluglotsen gearbeitet hätten. Doch bei Skyguide war es üblich, dass bei Nachtdiensten, die von zwei Mitarbeitern geführt wurden, nur einer von ihnen am Schaltpult blieb, während der Zweite sich ausruhte. In der Nacht zum 2. Juli 2002 versah Dispatcher Nilsen den Dienst allein, wobei das akustische Warnsystem, das eine gefährliche Annäherung von Flugzeugen signalisiert, wie auch die wichtigste Telefonleitung abgeschaltet worden waren.

    Der Prozess in Bülach dauert bis Ende Mai, die Urteile werden nicht vor Juli

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