20:44 15 Dezember 2017
SNA Radio
    Panorama

    Georgien: Behörden setzen Schriftstellerverband und Unabhängigkeitspartei auf die Straße

    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 01
    TIFLIS, 21. August (RIA Novosti). In der Nacht zum Dienstag hat der georgische Schriftstellerverband sein Büro in der Matschabeli-Straße 13 im Zentrum Tiflis` zwangsweise räumen müssen.

    Auch die georgische Unabhängigkeitspartei hat ihre Räumlichkeiten in dem selben Gebäude verlassen müssen. Das meldete die Nachrichtenagentur Novosti-Grusia.

    Wie georgische Fernsehkanäle berichten, betraten Kontrollbeamte der Stadt Tiflis etwa gegen 3.00 Uhr nachts das Haus, in dem sich insgesamt sieben Mitarbeiter befanden.

    Inzwischen sind alle Gegenstände der Mitglieder des Schriftstellerverbandes bereits auf der Straße und niemand ins Haus gelassen. Um ihre Unterstützung für die Mitglieder des Verbandes auszudrücken, sind Vertreter von Oppositionsparteien zum Gebäude gekommen.

    „Das, was getan worden ist, bedeutet eine qualvolle Beleidigung bis in die Seele hinein“, erklärte Makwala Gonaschwili, Vorsitzende des Schriftstellerverbandes, vor Journalisten.

    Sie berichtete darüber, dass das georgische Wirtschaftsministerium zwar am 16. August den Schriftstellerverband benachrichtigt habe, das Gebäude binnen zweier Tage zu räumen. Doch der Verband soll eine Klage auf die Aussetzung der Verfügung eingereicht und auf für den heutigen Dienstag angekündigten Gerichtsbeschluss gewartet haben sollen.

    „Bis zum Gerichtsbeschluss hatten die Vertreter des Bürgermeisteramtes und des Wirtschaftsministeriums kein Recht, uns aus dem Gebäude zu schassen“, sagte Gonaschwili. Vor einigen Monaten traf der Oberste Gerichtshof die Entscheidung, dass das Gebäude in der Matschabeli-Straße 13 dem Schriftstellerverband Georgiens gehört.

    Trotzdem erklärte das Wirtschaftsministerium das Gebäude für staatliches Eigentum und beschloss, den Schriftstellerverband auf die Straße zu setzen.

    Die Schriftsteller betonten in einem Gespräch mit Journalisten, dass laut Informationen, die ihnen vorliegen, das Haus im Grunde bereits verkauft worden sei und dass sein neuer Besitzer dort ein Hotel bauen wolle. Der Schriftstellerverband erklärte ferner, dass Georgiens Führung keine alternativen Räumen überlasse, um das einzigartige Archiv und bibliothekarische Materialien aufzubewahren; die Beförderung des Archivs auf die Straße, unter offenen Himmel, sei gleichbedeutend mit seiner Vernichtung.

    Georgi Arweladse, Georgiens Wirtschaftsminister, ist dagegen der Ansicht, dass das Bestehen der Räumlichkeiten des Schriftstellerverbandes auf Kosten des Staates nicht die einzige Bedingung für die Entwicklung der Literatur im Lande sei. Er nannte den Verband eine Organisation, die seinerzeit vom Sowjet-Regime zur Kontrolle über die Schriftsteller gegründet worden sei.

    Das Haus in der Matschabeli-Straße, in dem sich bis vor kurzem der Schriftstellerverband befand, ist ein Denkmal der Stadtarchitektur des 19. Jahrhunderts. Es wurde den georgischen Schriftstellern zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom bekannten Mäzen David Saradschischwili geschenkt.

    Die Zwangsausweisung der Unabhängigkeitspartei aus diesem Haus sei kurz nach 03.00 Uhr geschehen, teilte der Parteivorsitzende Irakli Zereteli mit. Er werde alle möglichen Schritte tun, um ihre Räumlichkeiten zurück zu bekommen. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es, die Partei habe das Büro bis zum 18. August räumen müssen. Zereteli war noch am selben Tag in den Hungerstreik getreten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren