03:56 17 Oktober 2017
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    Spionagevorwurf gegen TNK-BP als getarnte Attacke der Kreml-Hardliner? - Russlands Presse

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    MOSKAU, 21. März (RIA Novosti). Am gestrigen Donnerstag ist der offizielle Grund für die Beschlagnahme von Dokumenten in den Büros der TNK-BP in Moskau bekannt geworden, schreiben russische Zeitungen am Freitag.

    Auf eine so fesselnde Version der Ereignisse, wie sie die Pressestelle des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in der zweiten Tageshälfte bekannt gab, war wohl niemand gefasst. Wie sich herausstellt, erfolgten die Durchsuchungen nach den Anschuldigen gegen den TNK-BP-Manager Ilja Saslawski und seinen älteren Bruder Alexander, Mitarbeiter des British Council in Russland. Beiden wird Industriespionage zugunsten ausländischer Unternehmen zur Last gelegt.

    Quellen der „Kommersant" bei TNK-BP verwiesen darauf, dass die Untersuchung nicht nur in der Personalabteilung und am Arbeitsplatz von Ilja Saslawski, eines jungen und unbedeutenden Angestellten, stattfand, sondern auch in vielen anderen Büros. Die Quellen haben den Eindruck, dass die Sache bezüglich der Industriespionage nur ein formaler Vorwand war für eine "große Attacke", die von den Sicherheitsstrukturen vorbereitet werde. Ilja Saslawski aber war für besagte Strukturen auch deshalb eine bequeme Figur, weil sein Bruder Alexander bei British Council als Projektleiter arbeitet.

    Die Situation am Donnerstag sah merkwürdig aus, und alle vom FSB vorgebrachten Beschuldigungen wirkten wenig überzeugend. Das, was in dieser Geschichte nicht bis zu Ende ausgesprochen wird und wenig eindeutig wirkt, legt nach Ansicht der Zeitung "Gaseta" den Gedanken an politische Hintergründe nahe. Es ließe sich in der Tat kein günstigerer Moment für einen Spionageskandal und eine unvermeidliche Verschlechterung der Beziehungen zum Westen finden als kurz vor dem für Russland äußerst wichtigen April-Gipfel der NATO in Bukarest, auf dem die Frage der Osterweiterung des Paktes gelöst werden könnte.

    Auf jeden Fall sieht eine Quelle der "Gaseta" im Kreml gerade eine politische Spur. "Die Attacke gegen die Gesellschaft, die zudem zur Hälfte britisch ist, kann von einer Gruppe der so genannten Silowiki organisiert worden sein, um schon im Voraus Medwedews Image in der Welt anzunagen und zugleich zu zeigen, dass der Kampf um den Präsidenten noch nicht zu Ende sei", so der Gesprächspartner.

    Quellen: "Kommersant", "Gaseta" vom 21.03.08.