23:12 17 Januar 2018
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    Verbrechenswelle in Russland nach Massenentlassungen aus Gefängnissen befürchtet - „Nowye Iswestija“

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    MOSKAU, 08. Oktober (RIA Novosti). Aus russischen Gefängnissen werden massenhaft Verbrecher entlassen, die in den 90er Jahren wegen Raub und Mord zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren, berichtet die Zeitung „Nowye Iswestija“ am Mittwoch.

    Experten sind überzeugt, dass die meisten der Strafkolonie-Insassen, die zehn bis 15 Jahre in Haft waren, jeglichen Kontakt zur Gesellschaft verloren haben.

    Bürgerrechtlern zufolge wird deren Rückkehr zu einer Zunahme der Kriminalität führen, da der Staat bislang über keine Mechanismen für die Rehabilitierung und die Arbeitsbeschaffung für Inhaftierte verfügt.

    Bis Jahresende werden insgesamt 14 000 Menschen aus Gefängnissen im Gebiet Swerdlowsk entlassen. In den vergangenen zwei Jahren waren es rund jährlich 8000. Damals kamen die Arbeitsämter nicht mit der Flut der Arbeitssuchenden zurecht. „Unsere Region ist nicht für solch einen gewaltigen Andrang früherer Verbrecher bereit. Diese Menschen haben nichts - weder eine Wohnung noch einen normalen, gefragten Beruf“, betonte der Pressesprecher des Menschenrechtsbevollmächtigten des Gebiets Swerdlowsk, Viktor Wachruschew.

    Laut Angaben des russischen Innenministeriums findet nur einer von fünf Häftlingen nach seiner Entlassung eine Arbeit. Viele kehren ohne Dokumente zurück, da die Ermittlungsorgane und Gerichte die Pässe oft verschlampen.

    Deshalb haben die ehemaligen Verurteilten keine andere Wahl, als zur Kriminalität zurückzukehren. Statistisch gesehen werden 60 Prozent der ehemaligen Gefängnisinsassen rückfällig.

    „Da sie in Freiheit keine Unterstützung finden, werden sie alles Mögliche tun, um wieder hinter Gitter und in die Umgebung zu kommen, die ihnen mit den Jahren vertraut wurde. Ich zweifle nicht daran, dass in der nächsten Zeit, wenn jene in Freiheit entlassen werden, die bereits in den 90er Jahren ins Gefängnis kamen, eine neue Welle der Kriminalität beginnt“, sagte der Kriminalpsychologe und Leiter des Zentrums für rechtliche und psychologische Hilfe in Extremsituationen, Michail Winogradow.

    In Russland gibt es bislang keine staatliche Rehabilitierung für ehemalige Gefängnisinsassen, die sie psychologisch unterstützen und ihnen helfen, eine Arbeit zu finden.

    Die einzige Einrichtung dieser Art ist das Potapenko-Büro in Jekaterinburg, das jedoch nicht vom Staat, sondern von einem ehemaligen Gefängnisinsassen gegründet wurde, teilte der Direktor der Bewegung „Für die Menschenrechte“, Lew Ponomarjow, mit.

    „Ich war selbst im Gefängnis und bin jetzt ein Obdachloser. Ich weiß, wie das ist, entlassen zu werden und nichts und niemanden zu haben. Wir nehmen Menschen auf, die weder eine Wohnung noch Dokumente haben. Wir bringen sie in Wohnwagen unter, beschaffen ihnen eine Arbeit auf dem Bau und helfen ihnen, ihr Problem mit den Pässen zu lösen“, erzählte der Gründer des Büros, Juri Potapenko, in einem Interview für die Zeitung „Nowye Iswestija“.