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    Kauflaune der Russen trotz Krise ungetrübt - Russlands Presse

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    MOSKAU, 28. Januar (RIA Novosti). Die Katerstimmung nach der langen Neujahrsfeier ist verflogen und die Russen stellen jetzt fest, dass die Krise den TV-Bildschirm verlassen und sich im richtigen Leben einquartiert hat. Darüber schreiben die Zeitungen „Moskowski Komsomolez“ und „Komsomolskaja Prawda“ vom Mittwoch.

    Nun nennen die Russen nicht nur die Inflation und die Preisexplosion als die wichtigsten Probleme, sondern auch die Arbeitslosigkeit, Korruption und die Nichtauszahlung von Löhnen. Dabei stellt Valeri Fjodorow, Generaldirektor des Allrussischen Zentrums für Meinungsforschung (WZIOM), fest, dass die Bürger sich äußerst unlogisch verhalten.

    56 Prozent der Befragten hätten überhaupt nicht vor, finanzielle Vorsorge für den Fall des Jobverlusts zu treffen, so Fjodorow. Erklären könne man dies nur durch das „Zeitalter des Konsums“, das seit 2000 in Russland herrscht. Die realen Einkünfte wuchsen kontinuierlich und die Leute sind in der Lage gewesen, sich immer mehr zu leisten. Jetzt fällt es ihnen offensichtlich sehr schwer, darauf fast gänzlich verzichten zu müssen.

    „Der Konsum an sich ist eine sehr träge Sache“, sagt Jewgeni Nadorschin, Dozent des Moskauer Instituts für Finanzen und Ökonomie. „Wenn man sich schon daran gewöhnt hat, lecker zu essen, und zwar drei Mal am Tag, Restaurants zu besuchen, sich ziemlich teure Anschaffungen zu leisten, dann ist es zum Teil enorm schwer, auf all das auf einmal verzichten zu müssen.

    Die materiellen Grundlagen einer solchen Lebensweise sind schon längst verschwunden, doch der Mensch hat es noch nicht in seinem Bewusstsein begriffen. So war es auch bei uns: Wir haben das Geld wie gewohnt ausgegeben, doch dann am Ende des Monats feststellen müssen, dass Soll und Haben nicht mehr übereinstimmt, und daher beschlossen, nun mal endlich mit dem Sparen zu beginnen und den Gürtel enger zu schnallen. Im Gürtel-Enger-Schnallen sind die Russen jedoch Weltmeister, hier haben wir bereits eine Menge Erfahrung. Das Besondere an dieser Krise aber besteht darin, dass sie jeden treffen wird.“

    Igor Nikolajew, Direktor des Amts für strategische Analyse der Buchprüfungs- und Beratungsfirma FBK, stellt allerdings fest, dass die Russen viel sparsamer geworden sind. Die Neujahrsfeier dieses Jahr sei bescheidener ausgefallen als sonst, die Autos auf Moskaus Straßen sind schmutziger, denn das Autowaschen sei zum Teil ein sehr teures Vergnügen geworden. Dasselbe betrifft die Autoreparaturen: Man schleppt seinen Karren nur noch in die Werkstatt, wenn es überhaupt nicht mehr geht, sagt Nikolajew zusammenfassend.

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