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    Spitzel-Affäre in Estland: Millionenklage wegen angeblichen Geheimnisverrats an Russland

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    Das estnische Verteidigungsministerium hat gegen seinen ehemaligen Sicherheitschef Hermann Simm, der im September 2008 wegen Spionageverdacht verhaftet wurde, eine Schadenersatzklage in Höhe von rund zwei Millionen Dollar erhoben.

    TALLINN, 04. Februar (RIA Novosti). Das estnische Verteidigungsministerium hat gegen seinen ehemaligen Sicherheitschef Hermann Simm, der im September 2008 wegen Spionageverdacht verhaftet wurde, eine Schadenersatzklage in Höhe von rund zwei Millionen Dollar erhoben.

    Dies teilt das Verteidigungsamt am Mittwoch mit.

    Die Summe der Klage sei durch Dokumente begründet und könne im Falle weiterer Ermittlungen erhöht werden. Auch andere Länder seien berechtigt, ihre Ansprüche geltend zu machen. Die Dokumente seien an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

    Das Verteidigungsministerium präzisiert nicht, welchen konkreten Schaden Simm dem Staate zugefügt hat, betont aber, dass es hauptsächlich um technische Systeme gehe, die nunmehr ersetzt werden müssten.

    Wie deutsche Medien zuvor mitteilten, hat Simm möglicherweise der russischen Seite die Informationen über das in Deutschland ausgearbeitete geheime Chiffriersystem Elcrodat übergeben. Mit Hilfe dieses Systems werden Telefongespräche und der Dokumentenverkehr zwischen dem NATO-Hauptquartier in Brüssel und den Allianzmitgliedern chiffriert.

    Simm wurde Ende September unter dem Verdacht der ungesetzlichen Gewinnung von Geheiminformationen und deren Übergabe an die russische Seite verhaftet.

    Wegen des Verdachts der Vorschubleistung zum Staatsverrat wurde auch die Ehefrau Simms festgehalten. Später wurde sie mit der schriftlichen Verpflichtung freigelassen, das Land nicht zu verlassen.

    Die Sicherheitsabteilung, die Simm in den Jahren 2000 bis 2006 geleitet hat, ist eine besonders geheime Struktur im estnischen Verteidigungsministerium. Diese Abteilung ist für den Schutz von Staatsgeheimnissen und für alle Geheimdokumente zuständig. Die Abteilung befasst sich mit der Sicherheit des Ministeriums und kontrolliert die Aufklärungstätigkeit des Generalstabes der Armee.

    Simm war der Leiter der estnischen Delegationen beim Abschluss von Abkommen über den Schutz von Geheiminformationen im Austausch mit dem Ausland und vertrat Estland in Verhandlungen mit entsprechenden Strukturen der EU und der NATO.

    Simm absolvierte 1970 eine polytechnische Hochschule in der Fachrichtung "Prozesse der Produktion von chemischen Erzeugnissen und chemische Kybernetik". Vor der Arbeit im Verteidigungsministerium war er Oberinspektor für Strafsachen im Innenministerium, bekleidete verschiedene Posten im Polizeidepartement und wurde später zu seinem Generaldirektor.