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    Doppelanschlag in Moskauer Metro: Attentäterinnen reißen Dutzende in den Tod (Zusammenfassung)

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    Explosionen in Moskauer U-Bahn (73)
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    Zwei Selbstmordattentäterinnen haben am Montag in der Moskauer Metro ihre Sprengsätze gezündet und mindestens 37 Menschen in den Tod gerissen. Bei den Attentaten mitten in der Hauptverkehrszeit wurden mindestens 65 Menschen verletzt.

    MOSKAU, 29. März (RIA Novosti). Zwei Selbstmordattentäterinnen haben am Montag in der Moskauer Metro ihre Sprengsätze gezündet und mindestens 37 Menschen in den Tod gerissen. Bei den Attentaten mitten in der Hauptverkehrszeit wurden mindestens 65 Menschen verletzt.

    Die erste Explosion ereignete sich gegen acht Uhr in der Station Lubjanka unweit vom Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Rund 45 Minuten später gab es eine zweite Explosion in der Station Park Kultury.

    Präsident Dmitri Medwedew forderte in einer Sonderberatung im Kreml eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen und sagte den weiteren Kampf gegen den Terrorismus an. „Wir werden die Operationen gegen die Terroristen ohne Schwankungen fortsetzen und bis zum Schluss führen."

    Auch Regierungschef Wladimir Putin, der derzeit das sibirische Krasnojarsk besucht, versicherte, dass die Terroristen bestraft würden. „Ich bin überzeugt, dass die Rechtsschutzorgane alles tun werden, um die Verbrecher zu finden und zu bestrafen. Die Terroristen werden vernichtet.“ Wie der Sprecher des Regierungschefs, Dmitri Peskow mitteilte, bricht Putin seine Reise ab und kehrt nach Moskau zurück.

    Kaukasische Spur

    Bisher hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt. Doch der Geheimdienst FSB geht von einem Racheakt islamistischer Terror-Gruppen aus dem Nordkaukasus aus. Russische Sicherheitskräfte hatten kurz davor in der Konfliktregion, in der auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, zahlreiche Extremisten und deren Führer getötet.

    „Nach der vorläufigen Version wurden diese Anschläge von Terrorgruppen verübt, die mit der nordkaukasischen Region zu tun haben“, sagte FSB-Chef Alexander Bortnikow. In Bezug auf die Leichen der beiden mutmaßlichen Selbstmordattentäterinnen, die ihre mit Schrauben bestückten Bomben am Gürtel trugen, hieß es, die Spur führe zu „Wohnorten im Nordkaukasus“.

    Verkehrschaos

    Die beiden Explosionen ereigneten sich auf der „roten“ Metro-Linie, die größtenteils für mehrere Stunden geschlossen werden musste. Zudem wurden unmittelbar an den beiden betroffenen Metrostationen die Autostraßen vorübergehend gesperrt, was zu einem Verkehrschaos führte.

    Das Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, rief die Nation zum Schulterschluss auf und verurteilte die Taxi-Fahrer, die die Fahrpreise auf Grund der plötzlich stark gestiegenen Nachfrage auf ein Mehrfaches hochgeschraubt hatten. „Dieses Geld bringt ihnen nichts Gutes“, warnte der Patriarch. Man dürfe nicht von den Leiden anderer profitieren. Sondern man müsse die Leiden teilen und Solidarität zeigen.

    Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen

    Nach den Explosionen wurden in Moskau die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt (Fotos). Auf vielen Straßen und in der U-Bahn ist ein massives Polizeiaufgebot im Einsatz. Alle Stationen wurden mit Spürhunden untersucht. Kontrolliert werden Baustellen, offene Märkte und sonstige Arbeitsorte von aus dem Kaukasus stammenden Gastarbeitern.

    Auch die U-Bahnen in Sankt Petersburg, Jekaterinburg und anderen Großstädte verhängten zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Verstärkte Kontrollmaßnahmen gelten auf der Eisenbahn und in den Flughäfen.

    Zahlung von Schmerzensgeldern angeordnet

    Ministerpräsident Wladimir Putin ordnete die Zahlung von Schmerzensgeldern an. Laut seiner Verordnung erhalten die Hinterbliebenen jeweils 318 000 Rubel (ca. 8.000 Euro). Für Schwerverletzte sind Entschädigungen in Höhe von 100.000 Rubel (2.500 Euro) festgelegt, für Leichtverletzte von 50.000 Rubel (ca. 1250 Euro).

    Geschichte des Metro-Terrors

    In den vergangenen Jahren geriet die Moskauer Metro öfters ins Fadenkreuz der Terroristen. Die vorangegangene Explosion hatte sich am 31. August 2004 nahe der Station Rischskaja ereignet. Damals hatte eine Selbstmordattentäterin ihre Sprengladung - offenbar aus Angst vor einer Polizeistreife - noch vor dem Eingang in die Metro gezündet und zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Mehr als 40 weitere wurden verletzt.

    Blutige Chronik:

    6. Februar 2004 - Ein Sprengstoffanschlag in einem Zug zwischen den Stationen Awtosawodskaja und Pawelezkaja kostet 40 Menschen das Leben, 134 Menschen erleiden Verletzungen.

    5. Februar 2001 - eine Bombe explodiert auf dem Bahnsteig der Station Belorusskaja: 15 Verletzte.

    1. Januar 1998 - Explosion in der Station Tretjakowskaja: drei Verletzte.

    11. Juni 1996 - Eine Sprengladung explodiert in einem Zug im Tunnel zwischen den Stationen Tulskaja und Nagatinskaja: Vier Tote und 16 Verletzte.

    8. Januar 1977 - eine Bombe explodiert in einem Zug zwischen den Stationen Ismajlowskaja und Perwomajskaja. Unter den Todesopfern waren viele Kinder, die von einem Neujahrsfest nach Hause zurückkehrten.

    Fotoreihe: Explosion in der Moskauer U-Bahn

     

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