13:14 04 Dezember 2016
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    Kriminelle Abtreibungen in Russland: Mord gegen Geld

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    Mehr als 15 Prozent russischer Ehepaare können keine Kinder bekommen. Dabei entschließen sich rund 1,2 Millionen Frauen für Schwangerschaftsabbruch, 30 000 davon bleiben danach unfruchtbar.

    MOSKAU, 02. April (RIA Novosti). Mehr als 15 Prozent russischer Ehepaare können keine Kinder bekommen. Dabei entschließen sich rund 1,2 Millionen Frauen für Schwangerschaftsabbruch, 30 000 davon bleiben danach unfruchtbar.

    Experten zufolge entfallen 25 Prozent der Todesursachen bei Schwangeren auf illegale Abtreibungen. Eine genauere Zahl krimineller Abtreibungen können aber weder Rechtsschutzorgane noch Ärzte nennen.

    Ende der zwölften Schwangerschaftswoche wiegt der Fötus rund 20 Gramm, und die meisten Organe sind bereits ausgebildet. Man kann sogar den Herzschlag hören.

    In Russland ist eine Abtreibung in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft auf Antrag der Frau erlaubt. Nach Überschreitung dieser Frist ist die Abtreibung nur bei Vorliegen bestimmter Kriterien straffrei. Dazu gehören zum Beispiel die Erkrankung der Kindesmutter an Tuberkulose oder psychische Störungen. Zu den sozialen Indikationen für Schwangerschaftsabbruch zählen Entzug des Sorgerechts, Schwangerschaft wegen Vergewaltigung, Arbeitsunfähigkeit oder Tod des Kindesvaters sowie ein Gefängnisaufenthalt der Mutter. In allen anderen Fällen ist die Abtreibung nach der 12. Woche ein Verbrechen.

    Für gewisse Geldsummen sind dazu aber nicht nur illegale Labors oder Hebammen bereit. In einer Moskauer Klinik wurde einer RIA-Novosti-Korrespondentin versprochen, die Abtreibung in der 22. Schwangerschaftswoche vorzunehmen und sie einige Stunden später schon nach Hause zu schicken. Die Lizenznummer der Klinik stand auf der offiziellen Liste der Moskauer Gesundheitsbehörde.

    Insgesamt haben in Moskau 1147 Organisationen Lizenzen für gynäkologische Operationen und Geburtshilfe, darunter auch für Schwangerschaftsabbruch. Wie viele von diesen Kliniken sich mit kriminellen Abtreibungen beschäftigen, lässt sich nur erahnen.

    Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheit und soziale Entwicklung Russlands fallen auf 1,7 Millionen geborener Kinder 1,2 Millionen Schwangerschaftsabbrüche. Inoffiziellen Schätzungen zufolge sind zwischen 10 und 15 Prozent davon Spätabtreibungen.

    Dabei wurden in Russland 2008 nur 28 Kriminalverfahren wegen illegaler Abtreibung eingeleitet. Zur Ermittlungen kommt es offensichtlich nur bei Todesfällen.

     

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