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    Chodorkowski-Prozess: Sberbank-Chef Gref als Entlastungszeuge vernommen

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    Prozess gegen Michail Chodorkowski (218)
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    Während seiner Arbeit als Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands hat German Gref nach eigenen Worten nichts davon gehört, dass Michail Chodorkowski, damals Chef des Ölkonzerns Yukos, 350 Millionen Tonnen Öl unterschlagen haben soll.

    MOSKAU, 21. Juni (RIA Novosti). Während seiner Arbeit als Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands hat German Gref nach eigenen Worten nichts davon gehört, dass Michail Chodorkowski, damals Chef des Ölkonzerns Yukos, 350 Millionen Tonnen Öl unterschlagen haben soll.

    Am Montag wurde Gref, heute Chef der Sberbank Russlands, im Gericht des Moskauer Stadtbezirks Chamowniki als Entlastungszeuge vernommen.

    „Eine Überprüfung hat zwar nicht zu meinen Verpflichtungen gehört, wäre aber etwas in der Art festgestellt worden, so hätte ich einen Bericht darüber bekommen“, sagte Gref.

    Chodorkowski wird beschuldigt, im Zeitraum zwischen 1998 und 2003 Öl in großen Mengen unterschlagen zu haben. Gref war 2000 bis 2007 Chef des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel.

    Gref bejahte die Frage von Chodorkowski, ob er vom dreifachen Unterschied zwischen den Preisen der Ölproduzenten und den Preisen für dieses Öl in den europäischen Häfen gewusst habe. Die Hauptursache dieses Unterschieds sehe er, Gref, in den Exportsteuern.

    „Hier gibt es eine Reihe von Faktoren, darunter und in erster Linie die Exportbesteuerung“, so der Sberbank-Chef. „Außerdem ging es um Tarife des Konzerns Transneft. Die Exportzölle und der Öltransport waren also die beiden Hauptkomponenten.“ Wären die Preise beim Produzenten höher gewesen, so wäre das Unternehmen pleite gegangen, so Gref.

    Auf Chodorkowskis Bitte kommentierte der Ex-Minister die Situation mit dem Unternehmen Wostotschnaja neftjanaja kompanija (WNK). 1999 hatte die Regierung nach seinen Worten vor, ein 30-prozentiges Aktienpaket von WNK zu verkaufen, stellte dabei aber fest, dass „die Förderaktiva nicht vorhanden sind“.

    „Ich habe Michail Borissowitsch angerufen und ein Treffen mit ihm vereinbart“, führte Gref aus. „Ich habe gesagt, dass die Aktiva zurückgegeben werden müssen. Michail Borissowitsch führte das Argument an, dass die Aktiva wegen der Klage einer dritten Person ausgeschlossen worden seien.“

    Nach Grefs Worten hat er mit Chodorkowski vereinbart, ein Abkommen zu schließen, laut dem die Förderaktiva zurückgegeben werden sollten. Das Abkommen sei aber nicht zustande gekommen. „Ich richtete ein entsprechendes Schreiben an Premier Stepaschin sowie wandte mich an die Justizstrukturen“, so der Sberbank-Chef.

    Später habe er diese Entwicklung kaum verfolgt, weil er das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel übernahm. „Soviel ich weiß, wurden die Aktiva später zurückgegeben und das Unternehmen wurde verkauft“, fügte Gref hinzu.

    Beim Verlassen des Gerichts nach einer rund zweieinhalbstündigen Vernehmung konnte Gref nicht die Frage beantworten, ob seine Aussagen Chodorkowski helfen oder eher schaden würden. „Ich habe meine Aussagen für das Gericht gemacht und nicht zu jemandes Gunsten“, sagte er. Von Journalisten darauf angesprochen, ob das Öl vom Angeklagten wirklich unterschlagen worden sei, bezeichnete Gref diese Frage als „abstrakt“.

    Er weigerte sich auch, die Argumente einzuschätzen, die Chodorkowskis Verteidigung im Prozess anführte. „Ich kann den Prozess nicht bewerten, in kenne nicht einmal das Wesen der Anklage“, sagte Gref.

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