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    Experte räumt mit Mythos um Saufnation Russland auf - „Wremja Nowostej"

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    Die zunehmende Alkoholsucht der Russen eine der größten Gefahren für das Land, schreibt die Zeitung "Wremja Nowostej" am Mittwoch.

    MOSKAU, 14. Juli (RIA Novosti). Die zunehmende Alkoholsucht der Russen eine der größten Gefahren für das Land, schreibt die Zeitung "Wremja Nowostej" am Mittwoch.

    Alle verstehen das und viele haben sich daran gewöhnt. Allerdings gibt es auch Menschen, die anderer Meinung sind. So findet der Direktor des Zentrums für Erforschung des russischen Alkoholmarktes, Wadim Drobis, dass es acht „Mythen" um den Alkoholkonsum in Russland gibt.

    Der Experte besuchte vor kurzem auf Einladung des US-Außenministeriums die Vereinigten Staaten und stellte fest, dass die Amerikaner nicht weniger als die Russen trinken, und dass amerikanische Jugendliche genauso viel Alkohol wie ihre russischen Altersgenossen trinken. Jedes zivilisierte Land hat also ein Alkoholproblem.

    In Russland sei das Problem wegen der Armut unter der Bevölkerung viel schärfer, betonte Drobis. Nach seinen Worten verbindet er große Hoffnungen mit der Einrichtung des „Alkoholministeriums" sowie mit der Konzeption zur Vorbeugung des Alkoholmissbrauchs bis 2020. Damit könne verhindert werden, dass immer Menschen zum Alkohol greifen, so der Experte. Doch er räumte auch mit in einigen Vorurteilen in Bezug auf den Alkohol auf.

    Erstens glauben viele Menschen daran, dass Alkohol in Russland sehr billig sei, was die Trinksucht unter den Russen fördern würde. In Wirklichkeit seien die Alkoholerzeugnisse in Russland bedeutend teurer als in vielen anderen Ländern, unterstrich Drobis. So koste der Wodka in den skandinavischen Ländern 13 bzw. 14 Euro, was aber mit Blick auf das dortige Durchschnittsgehalt viel günstiger als der drei Dollar teure Wodka in Russland sei. In Amerika werden starke Alkoholgetränke (ab 40 %) für zwei Dollar pro Liter verkauft.

    Der zweite Irrtum: Ganz Russland wäre alkoholsüchtig, was seinen künftigen Zusammenbruch verursacht. In Wirklichkeit verfällt in die Alkoholsucht nicht das ganze Land, sondern etwa ein Viertel der mittellosen Einwohner mit dem Einkommen unter 5000 Rubel (1 Euro = ca. 39 Rubel). Diese Kategorie der Bürger trinkt jedes Jahr bis zu 40 Liter Alkohol. 75 Prozent der Russen trinken etwa elf Liter Alkohol pro Jahr, was allerdings auch die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übertrifft. Dennoch driften die Menschen nicht in die Sucht ab. Somit ist also vor allem die ärmste und sozial ungeschützte Bevölkerungsschicht vom Alkoholismus gefährdet.

    Der dritte am meisten verbreitete „Mythos". Alle Hoffnungen wären mit den Verbots- und Einschränkungsmaßnahmen verbunden, die von der WHO empfohlen worden sind. Es gibt tatsächlich mehrere Länder, die sich in diesem Sinne nach dem WHO-Hinweisen richten. Beispielsweise Schweden und Finnland. Aber in Schweden hat der Alkoholverkauf in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent zugelegt. In Finnland ist die Alkoholsucht unter Frauen in den letzten 40 Jahren, von denen das Land 30 Jahre nach den WHO-Regeln lebt, auf das Sechsfache angestiegen. Unter den Männern hat sie sich verdoppelt. Das sind amtliche Angaben. Also spielen die Verbotsmaßnahmen keine entscheidende Rolle.

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