19:03 24 Juni 2018
SNA Radio
    Panorama

    FBI öffnet Personalakte von Stalins Tochter – "Rossijskaja Gaseta"

    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 10

    Das FBI hat die Personalakte von Swetlana Allilujewa, der Tochter des sowjetischen Diktators Josef Stalin, in Auszügen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, schreibt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" am Mittwoch.

    Das FBI hat die Personalakte von Swetlana Allilujewa, der Tochter des sowjetischen Diktators Josef Stalin, in Auszügen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, schreibt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" am Mittwoch.

    Aus der Akte geht hervor, dass Allilujewa jahrelang von US-Geheimdiensten bespitzelt wurde.

    Die Freigabe der Personalakte von Allilujewa hatte die Nachrichtenagentur Associated Press beantragt. Das FBI hatte offenbar nichts dagegen und veröffentlichte ein Jahr nach dem Tod der Tochter Stalins ihr 233 Seiten umfassendes Dossier. Einige Dokumente wurden allerdings redigiert, weil sie die Außenpolitik Washingtons beeinflussen könnten und ein Eingriff in Allilujewas Privatleben wären. Weitere 94 Seiten der Personalakte wurden als vertraulich eingestuft, weil sie andere US-Behörden betreffen.

    Das FBI hatte Stalins Tochter nach ihrer Einreise in die USA in den späten 1960er-Jahren ins Visier genommen. Ende 1966 reiste sie nach Indien zur Beerdigung ihres Lebensgefährten Brajesh Singh. Im März 1967 beantragte sie in der US-Botschaft in Neu-Delhi Asyl. Danach ging sie in die Schweiz und anschließend in die USA. In dieser Zeit wurde ihr Buch „20 Briefe an einen Freund“ veröffentlicht, in dem sie ihren Vater als „Monster“ und das sowjetische System als „korrupt“ bezeichnete. Dafür wurde ihr die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Erst 1984 kehrte Allilujewa in die Sowjetunion zurück, wanderte jedoch zwei Jahre später wieder in die USA aus.

    1970 heiratete Allilujewa den Amerikaner William Wesley Peters und hieß seitdem Lana Peters. Die Ehe ging bald in die Brüche, aber im FBI-Dossier sind unter anderem Peters’ Erinnerungen angeführt. Ihm zufolge flüchtete Allilujewa aus der Sowjetunion, weil die sowjetischen Behörden ihren indischen Lebensgefährten unter Druck gesetzt hätten. Sie selbst behauptete, sie habe in Amerika „nach Wegen zur Selbstverwirklichung“ gesucht, die ihr in der Sowjetunion verwehrt geblieben sei.

    Die Flucht von Allilujewa hatte den FBI-Unterlagen zufolge sowohl die sowjetische als auch die amerikanische Führung überrumpelt. In Moskau und in Washington befürchtete man, dass dies negative Folgen während des Kalten Krieges haben könnte. Eine Quelle soll dem FBI erzählt haben, dass viele Menschen davon beeindruckt worden seien, die den Ostblock verlassen wollten. Ein Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Washington vermutete, dass die Amerikaner die Flucht von Allilujewa für Propaganda benutzen und dadurch „die Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA endgültig kaputt machen“ könnten.

    Laut anderen Quellen machte man sich in Moskau allerdings keine Sorgen darüber, weil Allilujewa mit ihrer Ausreise in die USA „die Familie und den Namen Stalin nur noch zusätzlich diskreditiert“ habe.

    Die Amerikaner befürchteten, dass das KGB Stalins Tochter verfolgen bzw. Kontakt mit ihr aufnehmen würde. Doch diesbezügliche Informationen sind nicht vorhanden. Allilujewa selbst räumte ein, dass die Ausreise ihr kein Glück gebracht habe. „Die Menschen sagen: ‚Ach, sie ist Stalins Tochter’ und glauben anscheinend, dass ich mit einem Gewehr herumlaufen und auf Amerikaner schießen würde“, erinnerte sie sich. „Oder sie sagen: ‚Sie hat sich für die USA entschieden und ist nun eine amerikanische Bürgerin.’ Die Wahrheit liegt aber irgendwo dazwischen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren