11:37 18 Februar 2018
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    Russlands Kommunisten: Wolgograd soll wieder Stalingrad heißen – "Nesawissimaja Gaseta"

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    Die Kommunisten in Russland wollen die Stadt Wolgograd wieder nach Josef Stalin umbenennen, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Die Kommunisten in Russland wollen die Stadt Wolgograd wieder nach Josef Stalin umbenennen, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Laut Gesetz sind für eine Umbenennung mindestens 100 000 Unterschriften erforderlich.

    Die Kommunisten begründen ihre Initiative mit der historischen Bedeutung der Schlacht um Stalingrad von 1942 bzw. 1943, die zum Wendepunkt des Großen Vaterländischen Krieges und Zweiten Weltkriegs wurde.

    Experten zufolge sehen die Russen die Idee, zum vorherigen Namen der Stadt – Stalingrad – zurückzukehren, eher skeptisch. Etwa 60 Prozent der Befragten seien dagegen, sagte der Leiter des soziologischen Forschungsinstituts Lewada-Zentrum, Lew Gudkow. „Stalin wird als politischer Verbrecher und Diktator wahrgenommen. Die Einstellung dieser Figur gegenüber ist äußerst negativ. Die Menschen lehnen Stalin-Denkmäler und die Idee, ihn zu rehabilitieren, ab – sogar jene, die ihm eine wichtige Rolle im Großen Vaterländischen Krieg einräumen“, so der Experte.

    Nikolai Petrow vom Moskauer Carnegie-Center findet, dass die Initiative der Kommunisten den politischen Zeitgeist widerspiegelt: „Für die Kommunisten ist das eine gute Gelegenheit, einerseits von der Nostalgie der Mitbürger zu profitieren, die auch unter der politischen Elite offenkundig ist. Andererseits hat die Partei außer solchen Initiativen kaum noch etwas zu bieten, denn die Rolle des linken Populisten hat Präsident Putin bereits vor langer Zeit übernommen.“

    Der Experte vermutet jedoch, dass die Initiative zur Umbenennung Wolgograds nicht nur Rentner befürworten könnten. „Heutzutage kennen die Menschen Iwan den Schrecklichen aus den Geschichtsbüchern und nicht aus eigenen Erfahrungen. Eine neue Generation ist aufgewachsen, die genauso viel bzw. wenig über Stalin weiß“, so Petrow.

    Die Petition zur Umbenennung Wolgograds könnte aber in zweierlei Hinsicht nützlich sein. Erstens könnten die Kommunisten zu der Überzeugung kommen, dass nur wenige Menschen ihre Position befürworten und dass die Umbenennung einer Stadt keine Priorität ist. Zweitens werden möglicherweise auch die Bürger sich fragen, warum die Kommunisten Stimmen für die Umbenennung Wolgograds sammeln, statt sich mit ernsthaften Problemen zu beschäftigen.

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