04:37 21 August 2017
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    Experten: Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd droht der Einsturz

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    Die „Mutter-Heimat“-Statue als wohl wichtigstes Wahrzeichen Wolgograds ist baufällig und könnte jederzeit zusammenbrechen.

    Die „Mutter-Heimat“-Statue als wohl wichtigstes Wahrzeichen Wolgograds ist baufällig und könnte jederzeit zusammenbrechen.

    Das sagte der Restaurator Wadim Zerkownikow nach einer Untersuchung der Skulptur in einem Interview für die Zeitung „Moskowski Komsomolez“. Nach seinen Worten hat er einen entsprechenden Brief an Kulturminister Wladimir Medinski geschrieben.

    Das Monument sei von Rissen durchzogen. In das Fundament könnte jederzeit Grundwasser einsickern, warnte Zerkownikow.

    Nach einer Untersuchung der „Mutter-Heimat“-Statue auf dem Mamajew-Hügel und des Monuments „Vereinigung der Fronten“ forderten die Experten in ihrem gut 200-seitigen Gutachten eine sofortige Restaurierung der Gedenkstätte. Andernfalls könne Russland eines der wichtigsten Symbole des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg (1941-1945) verlieren.

    Zerkownikow zufolge gefährden der brüchige Beton und massive Planungsfehler beim Legen des Fundaments das Monument. „Die Schutzschicht des Betons ist nahezu völlig zerstört. Der Zustand der oberen Erdschicht und der Skulptur selbst wurde kein einziges Mal geprüft.“

    „Es ist sehr schwer, den Beton von Monumenten 50 Jahre lang in einem guten Zustand zu erhalten. Jetzt können wir nur den Zersetzungsprozess im Beton etwas bremsen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass es sich um ein Kunstwerk handelt, für das man bei Veränderungen eine Sondergenehmigung braucht“, so Zerkownikow. „Denn die Witwe des Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch, Wera Wutschetitsch, lebt noch und hat die Urheberrechte für das Denkmal. Es darf nicht abgerissen werden – das erlaubt sie nicht. Nach ihren Worten hatte übrigens das Zentralkomitee der KPdSU genehmigt, zunächst ein Monument aus Beton aufzustellen. Später sollte es aus einem anderen, langlebigeren  Material gebaut werden.“

    „Mutter-Heimat“ schwankt

    © RIA Novosti.
    „Mutter Heimat ruft“ – Kriegsmahnmal auf Mamajew-Hügel in Wolgograd

    Bei der Untersuchung der Gedenkstätte in Wolgograd habe sich „herausgestellt, dass Nikolai Nikitin, der an der Planung der Moskauer Universität und des Moskauer Fernsehturms ‚Ostankino’ beteiligt war und in der Sowjetunion als herausragender Konstrukteur galt, ein schlechtes Fundament für die ‚Mutter-Heimat’-Statue entworfen hatte“, so Zerkownikow weiter. „Wie konnte man denn die nahezu 8000 Tonnen schwere Statue auf eine Lehmschicht stellen?! Das Fundament ist 16 Meter tief und hat keine Pfahlgründung und kein Gerüst. Die Skulptur steht frei und schwankt mittlerweile. Dafür gibt es zwei Gründe: Das Fundament bewegt sich und das Monument selbst ist deformiert. Hinzu kommen die Schwankungen des Schwertes bei starkem Wind.“

    Besonders große Sorgen machen sich die Experten wegen der Neigung des Denkmals. Zuletzt hat sie 222 Millimeter erreicht, wobei 277 Millimeter nach ihrer Einschätzung kritisch sind. Die Skulptur sei unberechenbar und könne jeden Moment kippen, warnte Zerkownikow.

    Die „Mutter-Heimat“-Statue wurde ins Guinnessbuch der Rekorde ufgenommen: Als sie aufgestellt wurde, war sie die größte Satue weltweit. Sie ist 52 Meter hoch, der Arm ist 20 Meter und das Schwert 33 Meter lang. Insgesamt ist die Statue damit 85 Meter hoch. Sie wiegt 8000 Tonnen, wovon 14 Tonnen auf das Schwert entfallen. Zum Vergleich: die Freiheitsstatue in New York ist 46 Meter hoch, die Christus-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro 38 Meter. Laut Wikipedia ist die Statue in Wolgograd zurzeit die elftgrößte weltweit.