08:34 21 August 2017
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    „Unerträgliche psychische Qual”: Belgischer Transsexueller erhält Sterbehilfe

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    Ein Frau-zu-Mann-Transsexueller (FtM) ist in Belgien freiwillig mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben geschieden. Dem 44-Jährigen, der mehrere geschlechtsangleichende Operationen hinter sich hatte, war der psychische Leidensdruck zu groß, meldet das Internet-Portal der Zeigung „Telegraph“ am Dienstag.

    Ein Frau-zu-Mann-Transsexueller (FtM) ist in Belgien freiwillig mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben geschieden. Dem 44-Jährigen, der mehrere geschlechtsangleichende Operationen hinter sich hatte, war der psychische Leidensdruck zu groß, meldet das Internet-Portal der Zeigung „Telegraph“ am Dienstag.

    Nathan Verhelst war als Mädchen zur Welt gekommen. Dem Portal „Het Laatste Nieuws“ erzählte Nathan, das Leiden habe ihn seit der Kindheit verfolgt.

    Er sei „das Mädchen, das niemand wollte“ gewesen. Seine Mutter habe seine Brüder bevorzugt und ihm in der Kindheit oft gesagt, „Wenn du doch ein Junge wärst“. 

    Im Jahr 2009 begann Verhelst eine Hormontherapie, danach unterzog er sich einer Mastektomie und ließ sich wenig später eine Phalloplastik machen. Die Ergebnisse aller Eingriffe entsprachen jedoch nicht seinen Erwartungen. „Ich war bereit, meine Wiedergeburt zu feiern, aber als ich in den Spiegel sah, fühlte ich Abscheu“, sagte der Transmann in seinem Abschieds-Interview. 

    Wim Distelmans, der Arzt, der Velhest Sterbehilfe leistete, war im Vorjahr in die Schlagzeilen gekommen, nachdem er der Bitte eines Gehörlosen-Zwillingspaars nachgekommen war, das sich aus Angst, nun auch noch völlig zu erblinden, für Euthanasie entschieden hatte. 

    Der Patient habe sich zuvor ein halbes Jahr lang beraten lassen, so der Krebs-Spezialist. Unter den Ärzten waren ihm zufolge auch Psychiater, die die Probleme von Verhelst deutlich von einer Depression abgrenzten. 

    „Seine Wahl hat nichts damit zu tun, dass er lebensmüde war“, sagte der Arzt, der den Tod des Mannes medizinisch begleitete. Verhelst habe vor seinem Tod am Montag in einem Brüsseler Spital „unerträgliche psychologische Leiden“ ertragen müssen. 

    Der Fall hat in Belgien die Diskussion erneut angeheizt, ob Sterbehilfe auch wegen psychologischer Probleme geleistet werden dürfen soll, oder nur bei unheilbar physisch Kranken. 

    „Im Jahr 2004 hatten nur sechs der Personen, die Sterbehilfe in Anspruch genommen hatten, sich wegen psychischer Leiden zu diesem Schritt entschieden. Im Jahr 2011 waren es bereits 33 und im Vorjahr 52“, schreibt das australische Internet-Portal News.com. 

    Im internationalen Vergleich sind die Euthanasie-Gesetze in Belgien ausgesprochen liberal. Auch in den Niederlanden und Luxemburg sowie in einigen US-Bundesstaaten ist aktive Sterbehilfe erlaubt. 

    Laut Medienberichten sind im Jahr 2012 in Belgien 1 400 Euthanasie-Fälle dokumentiert – das sind zwei Prozent aller Todesfälle und um 25 Prozent mehr als im Jahr 2011.

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