08:21 23 August 2017
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    Sklavenarbeit im Straflager? Gefängnis-Behörden glauben Pussy-Riot-Aktivistin kein Wort

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    Ein 16-Stunden-Arbeitstag im Straflager, wie ihn das inhaftierte Mitglied der Punk-Gruppe Pussy Riot, Nadeschda Tolokonnikowa, in ihrem offenen Brief geschildert hatte, entspricht laut dem Vizevorsitzenden des Gesellschaftsrates bei der Föderalen Strafvollzugsbehörde nicht der Realität.

    Ein 16-Stunden-Arbeitstag im Straflager, wie ihn das inhaftierte Mitglied der Punk-Gruppe Pussy Riot, Nadeschda Tolokonnikowa, in ihrem offenen Brief geschildert hatte, entspricht laut dem Vizevorsitzenden des Gesellschaftsrates bei der Föderalen Strafvollzugsbehörde nicht der Realität. 

    „Tolokonnikowa wird viel zu viel Raum für Reklame gelassen, das ist meiner Ansicht nach unverdient. Ich weiß, dass ein 16-Stunden-Arbeitstag bei uns in den Bedingungen der Strafkolonie unmöglich ist“, sagte Boris Suschkow am MIttwoch. In den leitenden Positionen befänden sich „doch keine Idioten“, so der Beamte weiter, „die so etwas tun würden, umso weniger, da das strafbar ist“.

    Seiner Ansicht ist auch der Vorsitzende des Gesellschaftsrates bei der Strafvollzugbehörde für das Gebiet Mordwinien, Viktor Bresgin. „Wer nur ein wenig im System gearbeitet hat, versteht, dass das nicht sein kann, weil es überhaupt nicht sein kann“, hieß es.

    In der Strafkolonie, in der Tolokonnikowa ihre Haft verbringt, würden die Verurteilten inzwei Schichten arbeiten. Auch die Information, dass die Häftlinge sich während Kontrollen die Füße abfrieren, wies Bresgin zurück. Ab einer bestimmten Temperatur werden die Kontrollen nicht mehr im Freien abgehalten, so der Vertreter des Strafvollzugs.

    Zuvor hatte bereits der Vorsitzende der Gefängnisaufsicht, Gennadi Morosow, die von Tolokonnikowa beschriebenen übermäßig langen Arbeitszeiten in Zweifel gezogen.

    Maria Kannabich, eine Mitarbeiterin des Menschenrechtsrates des Straflagers Nr. 14 in Mordwinien, hingegen bestätigt, das mehrere Gefangene angegeben hatten, über den gesetzlich festgelegten Acht-Stunden-Tag hinaus zu arbeiten. „Tolokonnikowa arbeitete nicht länger als acht Stunden, aber andere Frauen sagen, dass sie länger gearbeitet haben“, sagte sie. 

    Kannabich wies dabei darauf hin, dass ausnahmslos alle Gefängnis-Insassinnen, die außerhalb der Arbeitszeiten im Einsatz waren, dies freiwillig und wegen „großer Aufträge“ getan hätten. „Sie hatten schriftliche Ansuchen verfasst, dass man ihnen erlauben möge, statt acht zwischen zwölf und 14 Stunden zu arbeiten.“ Im Vorjahr hätten die Frauen aus der Kolonne ihren Verwandten insgesamt umgerechnet rund 11 000 selbst erwirtschaftete Euro zugeschickt, hieß es.  In ihrem Brief schreibt Tolokonnikowa, sie hätte im Juni nur umgerechnet 60 Cent verdient.

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