13:17 24 Oktober 2017
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    PEGIDA-Demo in Dresden am 12. Januar 2015

    „Lügenpresse“: Unwort des Jahres gekürt

    © REUTERS/ Fabrizio Bensch
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    „Islamisierung des Abendlandes“, „Islam-Rabatt“, „besorgte Bürger“ - aus diesen und rund weiteren 700 Begriffen verschiedener Art wurde jetzt „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres in Deutschland gekürt.

    „Das Wort „Lügenpresse“ ist es geworden, weil wir relativ viele Ausdrücke aus dem Feld „Pegida“ hatten“, sagt Nina Janich in einem Interview mit Sputnik-Korrespondentin Jana Hermanovskaja.

    Die Professorin für Germanistische Linguistik unterrichtet an der TU Darmstadt. Sie war in diesem Jahr eine der insgesamt vier Akademiker, die das Unwort des Jahres auswählten. Janich erklärt, warum sich die Jury-Mitglieder einig waren, Begriffe, die das Wort Islam beinhalten, nicht zum Unwort zu küren: „Mit dem Wort 'Lügenpresse' wollen wir zeigen, dass wir uns nicht dem Missverständnis aussetzen, die Terroranschläge in Paris verharmlosen zu wollen, wenn wir 'Islamisierung des Abendlandes' oder ähnliche Ausdrücke gewählt hätten.“

    „Lügenpresse“: Das Unwort des Jahres gekürt
    © Foto: www.unwortdesjahres.net
    „Lügenpresse“: Das Unwort des Jahres gekürt

    Mit der Wahl des jährlichen Unwortes soll auf die Sprachsensibilität aufmerksam gemacht werden. Frau Janich kommentiert: „Der diesjährige Begriff ist nationalistisch stark vorbelastet. Und wenn man Lügenpresse wissentlich auch so verwendet, dann ist das eine Anlehnung an extremistisches Gedankengut. Lügenpresse wird gerne von den Pegida-Demonstranten gegen die Medien allgemein verwendet, und unterstellt, dass es keinerlei differenzierte Berichterstattung in unseren Medien gäbe.“

    Hans-Olaf Henkel, stellvertretender AfD-Sprecher und Europaabgeordneter, hatte seinen „alternativen“ Standpunkt dazu:  „Mit der Wahl von ‚Lügenpresse‘ als ‚Unwort des Jahres‘ meinte die Jury wohl ins Schwarze getroffen zu haben. Die Jury lag allerdings nur knapp daneben. Im Gegensatz zur Meinung der Pegida-Demonstranten und einigen notorischen Verschwörungstheoretikern, glaube ich nicht, dass deutsche Journalisten öfter lügen als Politiker, Demoskopen oder Werbefachleute.“

    Allerdings würden einige Themen gerade von deutschen Journalisten nur mit einer selbstauferlegten Zensur behandelt, so Henkel am Mittwoch am Rande der Plenarsitzung in Straßburg. „Statt ‚Lügenpresse‘ wäre ‚Schere im Kopf‘ angebrachter gewesen“, betonte der AfD-Politiker. „Mir fällt immer wieder auf, dass eine offene und ehrliche Diskussion über Probleme mit Zuwanderern, über Auswüchse des Islam und über Alternativen zur Einheitswährung in deutschen Medien mit einem faktischen Tabu belegt werden.“

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    Tags:
    Hans-Olaf Henkel, Deutschland
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