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08:22 14 Oktober 2019
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    Charlie Hebdo

    Türkische Gemeinde in Deutschland gegen Zensur der Mohammed-Karikaturen

    © REUTERS / Regis Duvignau/Files
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    Anschlag auf Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris (34)
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    Die Türkische Gemeinde in Deutschland ruft zu einem Dialog in der deutschen Gesellschaft auf. Die türkische Regierung setze mit der Sperre für Internetseiten, welche die Titelseite der Zeitung und Mohammed-Karikaturen zeigen, ein falsches Zeichen, so der Vorsitzende Safter Cinar.

    Direkt nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" haben sich auch in Deutschland zahlreiche muslimische Verbände von den Attentätern distanziert. Safter Cinar hält diese Reaktion für richtig, ruft aber zur Vorsicht auf:  "Es ist schon notwendig, ein Zeichen zu setzen. Nur insbesondere die muslimischen Verbände müssen darauf achten, dass sie nicht in eine Verantwortungsecke gedrängt werden“, erklärt Cinar in einem Interview mit Sputniknews-Korrespondent Marcel Joppa. Das Ergebnis sei generell gut gewesen, zumal es auch keine Schuldzuweisungen an Verbände oder an den Islam als solchen gab. „Alle öffentlichen Kommentare und Äußerungen haben klargestellt, dass so etwas nicht im Namen des Islam passieren darf."

    Anfang dieser Woche sind in Dresden erneut über 20.000 Menschen bei einer Pegida-Demonstration auf die Straße gegangen. Mit „Je suis Charlie“-Plakaten bekundeten sie Trauer und warnten weiterhin vor einer so genannten Islamisierung des Abendlandes. Die Türkische Gemeinde Deutschlands reagiert empört: "Ich würde sagen, sie haben wirklich das Andenken dieser Toten verletzt, indem sie das instrumentalisiert haben. Aber in der Demokratie müssen wir auch das aushalten."

    Einen Dialog mit Pegida-Organisatoren, auch seitens der Politik, lehnt Safter Cinar entschieden ab: „Ich denke, sie dürfen zwar ihr Recht auf Demonstration ausüben, aber ein Dialog würde sie nur in ihren Aversionen bestätigen." Die aktuelle Ausgabe der Satirezeitschrift  "Charlie Hebdo" ist Anfang dieser Woche mit einer Millionenauflage in Frankreich erschienen, auf der Titelseite zeigte sie erneut eine Mohammed-Karikatur. Internetseiten, die das Titelbild der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe zeigen, sollen in der Türkei gesperrt werden. Das ordnete jetzt ein türkisches Gericht an.

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    © REUTERS / Hannibal Hanschke

    Eine Zensur lehnt Cinar grundsätzlich ab: „Weil Demokratie heißt auch Meinungs- und Medienfreiheit. Dort müssen auch unbequeme Sachen, die dem ein oder anderem nicht gefallen, ihren Platz haben. Man darf nicht vergessen, heute ist es eine Karikatur, morgen eine islamfeindliche Äußerung. Wenn man da anfängt nachzugeben und die Meinungsfreiheit einschränkt, dann weiß man nicht, wo das endet. Das ist ein Gut, das absolut verteidigt werden muss."

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    PEGIDA, Charlie Hebdo, Deutschland