19:58 15 Dezember 2019
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    CIA vs. BND: Eltern-Kind-Verhältnis bleibt freundlich

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    Der Pariser Anschlag spornt die Verschlüsselungs-Debatte aufs Neue an. Neben Barack Obama und David Cameron plädiert nun auch Thomas de Maizière für erweiterten Datenzugriff für Sicherheitsbehörden. Der Aufwand lohnt sich nicht im Kampf gegen reale Gefahren, kontert Wilhelm Dietl, einstiger BND-Mitarbeiter.

    Der Pariser Anschlag spornt die Verschlüsselungs-Debatte aufs Neue an. Neben Barack Obama und David Cameron plädiert nun auch Thomas de Maizière für erweiterten Datenzugriff für Sicherheitsbehörden. Der Aufwand lohnt sich nicht im Kampf gegen reale Gefahren, kontert Wilhelm Dietl, einstiger BND-Mitarbeiter. 

    Deutsche Sicherheitsbehörden müssen befugt und in die Lage versetzt werden, "verschlüsselte Kommunikation zu entschlüsseln oder zu umgehen", forderte Bundesinnenminister Thomas de Maizière beim Internationalen Forum für Cybersicherheit am 20. Januar in Lille. Wilhelm Dietl, der zehn Jahre für den BND tätig war, sieht diese Initiative überzogen, „weil die Geheimdienste dann eine Vielfalt an Informationen haben, die mit der Sache nicht zu tun haben“. „Man konzentriert sich dann immer weniger auf die eigentliche Gefahr“, so Dietl im Interview für Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa. 

    Und die eigentliche Gefahr wird heute ohnehin vernachlässigt. Die Geheimdienste bemühen sich allzu sehr um die immer schon währende West-Ost-Konkurrenz.

    „Die westlichen Geheimdienste, vor allem die Amerikaner, zapfen die östlichen, vor allem die russischen an, wodurch der eigentliche Konflikt, der uns viel mehr Sorgen machen müsste, nämlich Nord-Süd, in den Hintergrund gerät“, so der Experte. 

    Allein mit der elektronischen Aufrüstung sei die Gefahr laut Dietl nicht zu entfernen: „Es ist nur in zweiter Linie hilfreich, sich gegen die Terroristen zu schützen. Die wenigsten Terroristen werden ihre Pläne übers Internet verbreiten, um damit etwa einen Anschlag auf das Brandenburger Tor anzukündigen. Terroristen sind sehr scheue Wesen, und falls sie nicht besonders dumm sind, um erwischt zu werden, verkehren sie nur unter vier Augen und besprechen das Ganze persönlich. Das heißt also, großer elektronischer Aufwand hilft meistens nicht gegen Terroristen, sondern man braucht Überläufer, menschliche Quellen innerhalb den Terroristen. So kommt man am ehesten weiter“.

    Die Geheimdienste zu einer weitgehenden Entschlüsselung zu befugen, wäre somit wenig hilfreich. Zumal die Geheimdienste, so Dietl, dank den heutigen technischen Entwicklungen ohnehin „überall Einblick nehmen können“. Was die Terrorgefahr allerdings nicht von der Tagesordnung streicht. Das Abhörvermögen der Geheimdienste bringt bisher eher das zwischenstaatliche Ringen ans Licht. So ist vor kurzem der Doppelagent Markus R., laut Dietl sogar ein dreifacher, der seit 2010 geheime Dokumente an die CIA geliefert haben soll und nach einer E-Mail an das russische Konsulat in München erwischt wurde. 

    Aktuell läuft die streng geheime Ermittlung des Falls ab. Die Tonlage zwischen den USA und Deutschland bleibt in der Sicherheitspolitik trotzdem freundlich, meint Dietl:

    „Es herrscht immer noch eine freundliche Tonlage, weil die Deutschen immer wieder einen Schritt zurückgehen. Die Amerikaner haben bekanntlich den deutschen Nachrichtendienst in Deutschland gegründet, das also ein Kind der CIA ist“. „Und die Kinder begehren sich nicht so häufig gegen ihre Eltern auf. Das heißt, im Zweifelsfalle stecken wir wieder zurück und dulden das, was die Amerikaner tun“, fügt er hinzu.

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    Tags:
    Bundesnachrichtendienst (BND), CIA, Barack Obama, Wilhelm Dietl, Thomas de Maizière, David Cameron, Deutschland, USA