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    Mutmaßliche russische Agenten in Amerika geben zu: Ihre Mission ist gar nicht so spannend, wie in James-Bond-Filmen. Das geht zumindest aus abgehörten Gesprächen hervor, die von den US-Behörden veröffentlicht wurden. Das russische Außenministerium zeigt sich allerdings skeptisch.

    Spionageskandal erschüttert das Verhältnis zwischen den USA und Russland
    © REUTERS / Jane Rosenberg
    Die russische Tageszeitung „Kommersant“ analysiert am Mittwoch die FBI-Untersuchungsergebnisse, die vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden. Demnach sind drei russische Agenten in New York aufgeflogen. Das sind Jewgeni Burjakow (Vizechef einer russischen Bankfiliale), Igor Sporyschew (Mitarbeiter der russischen Handelsvertretung) und Viktor Podobny (Attaché der russischen UN-Vertretung). Sie wurden seit März 2012 beschattet, ihre Telefongespräche abgehört.

    Burjakow soll die gesammelten Informationen über Sporyschew und Podobny nach Moskau weitergeleitet haben. Nach Angaben des FBI interessierten sich die russischen Spione insbesondere für erneuerbare Energien in den USA, für Aktivitäten der Wertpapierbörse NYSE, aber auch für geplante US-Sanktionen gegen russische Banken

    Zu lesen sind auch Fragmente abgehörter Gespräche, die angeblich in einem Stützpunkt des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR geführt wurden. Podobny beschwert sich beispielsweise bei Sporyschew, dass die Spionagearbeit nicht seinen Erwartungen entspricht: „Ich sitze da vor der Nase des Feindes und esse Gebäck. Scheiße! Es gibt nichts davon, was ich mir vorgestellt habe. Dies ähnelt keinen James-Bond-Filmen. Ich wusste zwar, dass ich nicht mit einem Hubschrauber fliegen werde, hätte mich aber zumindest für jemand anderen ausgeben können.“

    In einem anderen Gespräch berichtet Sporyschew über Schwierigkeiten mit angeworbenen Informantinnen:

    „Ich habe viele Ideen, was man mit diesen Mädels tun könnte. Doch es funktioniert nicht: Um ihnen wirklich nahe zu kommen, muss man entweder Sex mit ihnen haben oder sie auf eine andere Weise beeinflussen, damit sie unsere Bitten erfüllen. Aus meinen Erfahrungen gelingt es also selten, geschäftliche Beziehungen mit Frauen aufzunehmen.“

    Wie die russische  Zeitung „RBC Daily“ unter Berufung auf die FBI-Daten schreibt, bekamen die Agenten außerdem die Aufgabe, Fragen an NYSE-Mitarbeiter zu formulieren, um relevante Informationen zu sammeln. Burjakow empfiehlt in einem aufgezeichneten Gespräch: „Du könntest etwa nach börsengehandelten Fonds ETF fragen – wie sie benutzt werden, um die Märkte zu destabilisieren.“

    Letztendlich soll Burjakow in eine FBI-Falle geraten sein. Ein verdeckter US-Fahnder bot ihm vertrauliche Unterlagen des US-Finanzministeriums an. Wie es hieß, hat der Russe angebissen und wurde festgekommen. Sporyschew und Podobny hatten zu jenem Zeitpunkt die USA bereits verlassen – Anklage gegen sie wurde in Abwesenheit erhoben. Den drei Männern wird Komplott im Interesse eines fremden Staates vorgeworfen.

    Der russische Geheimdienst SWR wollte die Festnahme von Burjakow nicht kommentieren. Alexander Lukaschewitsch, Sprecher des russischen Außenministeriums, zeigte sich am Dienstag skeptisch in Bezug auf das US-Beweismaterial:

    „Es entsteht der Eindruck, dass die US-Behörden wieder zu ihrer Lieblingsmethode greifen, indem sie auf einen Spionage-Skandal setzen. Wegen des feindlichen Kurses Washingtons erlebt das russisch-amerikanische Verhältnis längst eine ziemlich schwere Phase. Die USA scheinen dem Prinzip ‚je schlechter, desto besser‘ zu folgen, um die antirussische Kampagne weiter zu schüren.“

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    Tags:
    Russlands Auslandsgeheimdienst SWR, FBI, Jewgeni Burjakow, Viktor Podobny, Igor Sporyschew, Alexander Lukaschewitsch, USA, Russland