19:36 14 Dezember 2019
SNA Radio
    Ex-CIA-Agent John Kiriakou

    Ex-CIA-Agent: Folter im Auftrag des US-Präsidenten – Exclusiv

    © AP Photo / Cliff Owen
    Panorama
    Zum Kurzlink
    11374
    Abonnieren

    Der nach dem Espionage Act der USA verurteilte Whistleblower John Kiriakou ist nach zwei Jahren Haft wieder freigelassen worden. In seinem ersten Exklusivinterview für Sputnik erzählt der frühere Häftling über sein Leben hinter Gittern, über Folterungen und über die Hetze gegen Enthüller.

    John Kiriakou wartet darauf, dass ihm ein Exemplar des Berichts des US-Senats über die Folterung von Häftlingen in CIA-Gefängnissen überreicht wird. Jetzt sieht es danach aus, dass seine Aktivitäten zur Enthüllung der von CIA-Mitarbeitern begangenen Verbrechen nicht mehr illegal sein könnten. 

    Er musste zwei Jahre hinter Gittern verbringen – für etwas, was jetzt als ein Verdienst der US-Senatoren angesehen wird.

    In dem Bericht sind etliche fassungslos machende Informationen enthalten, wie Häftlinge von CIA-Gefängnissen mit Waterboarding und Schlaflosigkeit gefoltert wurden, wie sie ausgezogen und an die Zimmerdecke gehängt und sogar durch den After „zwangsgefüttert“ wurden. 

    Viele Beweise dafür waren auch in den CIA-Unterlagen zu finden gewesen, zu denen Kiriakou als hochrangiger Mitarbeiter des Geheimdienstes Zugang hatte. Möglicherweise hat er einige von diesen Dokumenten persönlich erstellt. Es gab auch eine Zeit, als Kiriakou Folterungen für ein „nützliches Übel“ hielt. Irgendwann war der Punkt jedoch erreicht, an dem sich alles änderte.

    Kiriakou ist der einzige Mitarbeiter seiner Abteilung, der für die Enthüllung des CIA-Folterprogramms zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Laut dem Gerichtsurteil wurde in Kiriakous Fall der so genannte „Espionage Act“ angewendet, weil er die Medien und die Gesellschaft über die Foltermethoden, auf die die CIA im „Krieg gegen den Terror“ zurückgreift, informiert hatte. Vor einigen Tagen wurde er aus einem Gefängnis in Loretto (US-Bundesstaat Pennsylvania) entlassen, wo er  rund zwei Jahre verbracht hatte. Den Rest seiner Haftstrafe wird er unter Hausarrest in Arlington (Bundesstaat Virginia) verbringen. 

    „Ich halte mich für einen Patrioten“

    Kiriakou hat sich immer für einen Patrioten gehalten und tut das immer noch. Einst hatte er aus Patriotismus Arabisch gelernt, viel über Terrorgefahren studiert und bei der CIA angeheuert. Für seinen hervorragenden Dienst wurde er mehrmals ausgezeichnet, darunter mit der „Counterrerrorism Service Medal“ und einer Ehrenauszeichnung des US-Außenministeriums. Seine Motivationsgründe, der Regierung seines Landes bei der Umsetzung ihres Anti-Terror-Programms zu helfen, waren seine Ehre und sein Pflichtbewusstsein. 

    „Man sagte uns, das Waterboarding wäre effizient und überhaupt keine Folter gewesen, sondern ein Weg zur Beschaffung von besonders wichtigen Nachrichten“, sagt Kiriakou der Agentur Sputnik. „Ich habe daran geglaubt, wie alle anderen auch.“ 

    Sein Patriotismus war aber wiederum der Grund, warum er sich entschloss, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die US-Regierung begangen hatte, zu enthüllen. 

    „Einige Jahre später haben wir verstanden, dass das alles nicht wahr war“, so Kiriakou weiter. „Wir wurden von der CIA angelogen. Waterboarding war eine schreckliche Sache. Es war nutzlos für das Land. Das war eine schlechte Politik. Das waren alles Fehler ohne Ende.“ 

    Nachdem Informationen über Folter in die Medien gesickert waren und viele Menschen verstanden hatten, dass dieses CIA-Programm nicht funktioniert, beschimpfte das Weiße Haus unter George Bush Jr. die CIA als „kriminelle Agentur“ und erklärte, nur „Verbrecher“ würden auf Folterungen zurückgreifen. 

    „Als Patriot, der der CIA stets ergeben war, fühlte ich mich beleidigt durch die Lügen des Weißen Hauses“, so Kiriakou weiter. 

    Er war derjenige, der die Medien darüber informierte, dass CIA-Mitarbeiter „tatsächlich auf Folter zurückgegriffen hatten, dass der Präsident persönlich das genehmigt hatte und dass dies ein Teil der offiziellen Politik der US-Führung gewesen war.“ 

    Danach änderte sich sein Leben abrupt. Kiriakou wurde entlassen. Seine Freunde wollten mit ihm nichts mehr zu tun haben. Das FBI bespitzelte ihn, wovon er drei Jahre lang keine Ahnung hatte. 

    Kurze Zeit später wurde Kiriakou gemäß dem „Espionage Act“ verurteilt. 

    „Wenn man für Geheimdienste arbeitet, ist man absolut hilflos, falls etwas passiert. Man sollte sich gut überlegen, was man in der Öffentlichkeit sagen kann“, sagt er heute. „Denn im Leben kann alles ganz schnell anders werden.“ 

    „Espionage Act“ als Hammer

    Kiriakou behauptet, dass die US-Regierung den „Espionage Act“ als „Hammer“ benutzt.

    „Der ‚Espionage Act‘ wurde 1917 verabschiedet, um deutschen Diversanten zu widerstehen“, erläutert Kiriakou. Dieses Dokument sei schon lange „veraltet und nicht dafür bestimmt, Personen zu verfolgen, die jegliche Informationen den Medien mitteilen. Dieses Dokument dient der gerichtlichen Verfolgung von Personen, die aus Gier geheime Informationen verkaufen und dadurch die USA verraten haben.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Folter in CIA-Gefängnissen: Polen als Mittäter verurteilt
    Obama: Guantanamo schwächt US-Sicherheit
    Bericht: Ärzte folterten Guantanamo-Häftlinge – Pentagon-Sprecher: „Absurde Anschuldigung“
    Türkei beantragt bei USA Kauf von Patriot-Raketenabwehrsystemen
    Tags:
    CIA, John Kiriakou, USA