12:10 11 Dezember 2019
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    Einwohner von Donezk nach dem Artilleriebeschuss

    Augenzeuge in Donezk: Funktionierender Alltag trotz des Krieges

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    Es gibt trotz des Krieges ein funktionierendes Alltagsleben in Donezk, erklärt Billy Six in einem Interview. Der deutsche Autor und Journalist lebt seit einem Jahr in der Ukraine, seit November in der Ostukraine, und berichtet Sputnik-Korrespondent Armin Siebert von seinen Eindrücken.

    „Spannend fand ich, dass Rinat Achmetow, der große Oligarch, sich nach wie vor darum kümmert, dass Lebensmittel verteilt werden. Er betreibt ja auch weiterhin Kraftwerke, wie das Elektrizitätswerk, das Donezk mit Strom versorgt. Es gibt also trotz des Krieges ein funktionierendes Alltagsleben“, erzählt Six. Dennoch sei eine gewisse Spannung innerhalb der Bevölkerung zu beobachten. „Es gibt ja eine Menge Menschen, die abgehauen sind von dort – einige nach Russland, andere auch auf die ukrainische Seite. Die, die dageblieben sind, haben sich mir gegenüber doch recht kämpferisch gezeigt. Sie sagen, sie sind entschlossen, diese Sache zu Ende zu bringen. Gleichzeitig sind sie aber auch sehr traurig zu sehen, was das für einen Blutzoll mit sich bringt.“

    Russlands Hilfskonvois in die Ostukraine werden vom Westen hart kritisiert, doch laut Six sind sie notwendig, um das Leben dort überhaupt noch zu ermöglichen. „Die Vorwürfe aus dem Westen richten sich ja mehr auf die Frage, ob Russland Waffen liefert. Die „Bild“-Zeitung berichtete ja, dass sie Fotos von Soldaten in Uniformen mit russischen Abzeichen haben. Ich kenne ganz genau die Geschäfte in Donezk, wo man solche Abzeichen kaufen kann, und die Leute sind stolz darauf, sich auch eine russische Fahne an den Panzer zu stecken. Es sind halt sehr viele russische Freiwillige dort. Ich denke, die Einflussmöglichkeiten von Putin sind dort begrenzt. Es gibt viele Menschen in Russland, die da gern auch radikaler vorgehen würden.“

    Zum Thema der sogenannten Separatisten und deren Zielen erklärt Six: „Alexander Chodakowski, der Chef des dortigen Wostok-Bataillons, hat mir gesagt, es geht darum, die Oligarchen und den amerikanischen Einfluss loszuwerden. Und sie wollen natürlich die Unabhängigkeit. Aber ich glaube, dafür sind ihre historischen Wurzeln nicht tief genug, um allein zu überleben. Wenn Sie einen Staat aufbauen wollen, der die Stürme der Geschichte auch überdauern soll, dann braucht es auch eine tiefgehende Identität, und die sehe ich dort nicht.“ Zwar könnten sie sich aufgrund ihrer Ressourcen wirtschaftlich versorgen und mit Russland Handel treiben, aber die Bindung an Russland wäre so stark, dass die Volksrepubliken irgendwann auch zu Russland gehören würden, so Six weiter.

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    Bataillon Wostok, Alexander Chodakowski, Billy Six, Rinat Achmetow, Donezk, Ukraine