04:49 19 September 2018
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    Mars One - eine zukpnftige Mars-Siedlung

    „Mars One“-Bewerber aus Potsdam: Höchste Zeit für neues Leben

    © Foto : Mars One - Human Settlement of Mars
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    Einmal zum Mars und nie zurück. Besseres Leben oder eine Reise in den Tod? Für das umstrittene Projekt „Mars One“ meldeten sich weltweit jedenfalls über 200.000 Bewerber an. Vier von ihnen sollen 2024 zum Mars starten. Potsdamer Student Denis Newiak hat es beinahe in die Endrunde geschafft.

    „Die Menschheit hat auf der Erde bisher Großartiges geleistet. Doch große Alpträume liegen nicht nur hinter uns, sondern wir stecken noch mitten in ihnen drin: Umweltzerstörung, Massenarmut, Diktaturen herrschen auf der Erde. Doch das muss nicht für immer so bleiben“, schreibt Denis Newiak in seiner Bewerbung für „Mars One“. Der 26-Jährige hat es unter die 660 Kandidatinnen geschafft, allerdings nicht in die dritte Runde mit aktuell 100 Bewerbern.

    „Mars One“-Bewerber Denis Newiak aus Potsdam (Foto:facebook.com/denis.newiak)

    Die Suche nach besserem Leben will Denis trotzdem nicht aufgeben. „Was mich fasziniert hat, war, dass es dort eine ganz neue Art der Gesellschaft sein würde, die wir auf dem Mars aufbauen würden. Ich hatte gehofft, dass wenn wir dorthin fliegen und ganz von vorne anfangen, dann haben wir die Möglichkeit, auch das Leben für die Erde ein bisschen  fortzuleben“, sagt Newiak im Interview für Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa.

    Als er 2013 ins Projekt einstieg, stieß er im Familien- und Freundeskreis überwiegend auf Unterstützung, aber auch auf viele Fragen:

    „Mich haben tatsächlich viele gefragt, ob es mir hier nicht gefällt oder ob ich flüchten will. Mich auf dem Mars abzusezten, weil es hier auf der Erde eng wird, war aber nicht meine Idee. Ich habe tatsächlich gehofft, dass es eine Spiegelung geben könnte, bei der wir sehen würden, wie viel wir auf dem Mars mit dieser Wüstenlandschaft, mit diesen strengen Temperaturen, mit keiner richtigen Atemluft erreichen könnten, eben weil wir eine andere Form vom Zusammenleben haben. Dass das eine Signalwirkung für das Leben auf der Erde haben könnte.“

    Neben der Faszination der Teilnehmer erntet das Projekt auch heftige Kritik, vor allem wegen seiner Kosten. Sechs Milliarden Dollar für eine Utopie mit Lebensrisiko, das stimmt viele irdisch Denkende schon sehr skeptisch ein. Denis Newiak sieht da keinen großen Widerspruch, das Geld komme letztendlich aus Privatwirtschaft. „Natürlich ist die Summe erschlagend, aber das relativiert sich im Vergleich zu dem, was die staatlichen Raumfahrtagenturen veranschlagt haben, und das sind dann die Steuergelder, wo es um die 20-fachen Beträge geht“, so Newiak. „Ich kann es einerseits nachvollziehen, dass die Leute zumindest eine gesunde Skepsis gegenüber dem Projekt haben, andere wollen oder können daran nicht glauben, weil sie sich vielleicht nicht ganz viele Gedanken darüber gemacht haben“, fügt er hinzu.

    Участники проекта Марс-500
    © Foto : IMBP der Russischen Wissenschaftsakademie
    Positives Feedback habe es laut Newiak immerhin viel gegeben. „Es freut mich sehr, dass die Leute überall auf der Welt wirklich Lust haben, über das Morgen nachzudenken,  Visionen zu entwickeln und nicht stecken zu bleiben“, so der Bewerber. Für ihn bedeute das vor allem, ein Leben tatsächlich von vorne anzufangen. Er würde deswegen auch nichts Materielles auf den Mars mitnehmen, wenn es darum ginge: „Ich habe immer die Devise verfolgt, dass man alles Materielle getrost zu Hause lassen kann. Und die liebe Familie kann man sowieso nicht mitnehmen, also es ist gar kein großes Problem, was man mitnehmen würde. Alles, was man mitnehmen kann, ist eigentlich unwichtig. Beim Wichtigen soll man eben versuchen, andere Lösungen zu finden, indem man miteinander telefoniert, sofern es möglich wäre.“

    Auch die alte, irdische Verhaltensweise, könnte sich ändern, meint Newiak. „Ich glaube, es wäre nutzloses Leben, wenn wir sagen würden, es bleibt alles so, wie es ist. Natürlich leben wir Menschen so, wie es uns die Rahmenbedingungen vorgeben. Ich bin davon überzeugt, dass wenn sich die Settings ändern, unter denen unser Leben stattfindet, nämlich, dass man miteinander wirtschaftet und nicht gegeneinander, dass man auf die Hilfe der Anderen angewiesen ist. Ich glaube, dass es realistische Perspektive ist, dass man das heutige Leben hinterfragt und dass es künftig besser wird.“

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    Weltraum, Mars One, Denis Newiak, Deutschland, Potsdam