16:47 19 Januar 2018
SNA Radio
    Der ehemalige deutsche SPD-Politiker Sebastian Edathy

    Fall Edathy: Die eigentliche Katastrophe sind die Mitwisser – Experte

    © REUTERS/ Fabrizio Bensch
    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 702

    Seine ablehnende Haltung zum Gerichtsbeschluss im Verfahren gegen den ehemaligen DPD-Abgeordneten Sebastian Edathy hat Norbert Denef, Vorsitzender des netzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt), betont. Er plädiert dafür, Gewalt gegen Kinder in jeglicher Form stärker zu verfolgen.

    „Einfach abspeisen mit 5 000 Euro und nicht mehr ermitteln, das geht gar nicht“, so Denef in einem Sputnik-Interview. Am Ablauf des Verfahrens kritisiert er aber vor allem die Vorhersehbarkeit und die offensichtlichen Absprachen im Hintergrund. Er meint: „Wir waren nicht überrascht, dass das so kommen wird, selbst Edathy hat ja schon vor einigen Wochen davon gesprochen, dass das Verfahren gegen diese Summe eingestellt werden könnte, und so ist jetzt auch eingetroffen.“

    Denef sagt: „die eigentliche Katastrophe ist, dass insgesamt 57 Personen involviert waren, die davon wussten und Edathy zum Teil auch gewarnt haben. Das ist die eigentliche Katastrophe, nicht dass das Gericht es abgewickelt hat, wie das in so einem Verfahren üblich ist.“

    Im Zuge der Edathy-Affäre gab es auch Gesetzesänderungen – im November verabschiedete der Bundestag ein Gesetzespaket, das Kinder besser gegen Kinderpornografie schützen soll. Der Verkauf oder Handel mit Nacktbildern von Kindern und Jugendlichen wird künftig mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe bestraft. Doch Norbert Denef hält dagegen: „Man hat das nur ganz wenig verschärft. Andere vergleichsweise harmlosere Taten werden immer noch mehr bestraft, als wenn sie einem Kind Gewalt antun. Der Fall Edathy hat zwar etwas ausgelöst, aber es bleibt alles nur Makulatur. Ermittelt werden kann nur ganz schwierig, denn es fehlt entscheidend an Personal. Wir haben hier also ein Gesetz, das gar nicht umgesetzt werden kann und das ist das eigentliche Dilemma.“

    Auf die Frage, wie es zu bewerten ist, dass der Kinderschutzbund das Geld abgelehnt hat, antwortet Denef: „Das begrüßen wir sehr. Denn das ist ein klares Signal, auch an die Gerichte und an die Politik, das man das so nicht machen kann. Einfach abspeisen mit 5 000 Euro und nicht mehr ermitteln, das geht nicht.“

    Tags:
    Kinder, Netzwerk B (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt), Dieter Denef, Sebastian Edathy, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren