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05:48 20 September 2019
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    Arzt während einer Operation

    Ungesunde Krise: Deutschland verliert Patienten aus Russland

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    Früher hatte man in Deutschland Angst, der Russe kommt, heute hat man Angst, der kommt nicht mehr. Diesen Satz beziehen deutsche Medien auf die aktuell negativen Zahlen im medizinischen Tourismus. Auf die russischen Patienten sei dieser sehr stark angewiesen, erklärt der Experte Jens Juszczak.

    Zum einen die politische Situation, zum anderen die Rubelschwäche haben seit Ende 2014 zur Folge, dass der russlandbezogene Medizintourismus in Deutschland an Patientenmangel leidet. „Bezogen auf den russischen Markt sehen wir, dass nun deutlich weniger Patienten aus Russland in die deutschen Kliniken kommen. Das liegt zum einen an der politischen Situation, dass es da Gründe gibt, vielleicht jetzt eher keine Behandlung hier zu machen. Zum anderen liegt es natürlich an der derzeitigen Rubelschwäche, dass sich viele Russen eine Behandlung in Deutschland nicht leisten können“, sagt Experte für Medizintourisimus Jens Juszczak im Radio-Interview für RIA-Novosti-Korrespondentin Marina Piminowa.

    Alle russischen Patienten zusammen haben ein Erlösvolumen in den Krankenhäusern von rund 130 Millionen Euro. „Das ist schon eine sehr hohe Zahl und es ist ein Zehntel des Gesamtaufkommens des medizinischen Tourismus in Deutschland“, so Juszczak.

    Wertvoll seien nicht nur Patienten, sondern auch Fachkräfte aus Russland. „Sie haben eine gute ärztliche Ausbildung, die sie in Russland bekommen, deswegen sind auch viele Kliniken in Deutschland gerade an der Weiterbildung der russischen Ärzte als Fachärzte interessiert“, so der Experte weiter. In Deutschland gebe es seit einigen Jahren das deutsch-russische Gesundheitsforum, also einen Wissensaustausch zwischen Ärzten aus Russland und Ärzten aus Deutschland.

    Zusammen mit seinen Kollegen hofft Juszczak, es gehe um eine mittelfristige Krise:

    „Ich gehe davon aus, dass sich alles in den nächsten Monaten und Jahren wieder beruhigt und auf ein weitgehend freundschaftliches Niveau zurückfindet. Es wird mittelfristig schon dazu führen, dass aufschiebbare Behandlungen, insbesondere etwa solche Dinge wie Lasik-OP oder plastische Behandlungen aufgeschoben werden, bis es den Russen auch finanziell wieder besser geht.“

    Bei den Behandlungen, die sich schwer aufschieben lassen, werden die Leute auch weiterhin, sofern es kein Angebot im Heimatland gibt, sich auf den Weg ins Ausland machen müssen, um nicht letztendlich an der Krankheit zu sterben,  meint er.

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    Tags:
    Medizin, Jens Juszczak, Deutschland, Russland