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02:21 21 September 2019
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    Absturz der polnischen Präsidentenmaschine

    Aufregung über neue Blackbox-Daten zum Kaczynski-Absturz

    © Sputnik / Oleg Mineev
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    Fünf Jahre nach dem Absturz des polnischen Präsidentenjets in Russland sorgen neue Flugschreiber-Daten für Aufregung. Sie könnten die russische Version der Katastrophe bestätigen: Vermutlich hielten sich Unbefugte im Cockpit auf, die Piloten standen unter Druck. Die Kaczynski-Partei hat aber ihre Zweifel.

    Die polnische Oppositionspartei PiS bezweifelt die Authentizität der neuen Flugschreiber-Daten aus dem Jahr 2010. Der Abgeordnete Bartosz Kownacki sagte nach Angaben der russischen Onlinezeitung Lenta.ru, das Stenogramm sei „im Auftrag von Putin“ geschrieben worden. Kownacki, dessen Partei von Jaroslaw Kaczynski, dem Zwillingsbruder des damals verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski, geleitet wird, forderte von der polnischen Staatsanwaltschaft eine sorgfältige Untersuchung.

    So kommentierte der Abgeordnete den jüngsten Bericht des polnischen Radiosenders RMF FM, wonach die Aufzeichnungen des Flugschreibers eher die russische Version der Katastrophe bestätigen. Der Sender bezieht sich auf die neue und technisch bessere Kopie der Blackbox-Aufzeichnungen. Diese Kopie war im Februar 2014 von polnischen Ermittlern in Moskau gemacht worden.

    Wie aus dem Stenogramm hervorgeht, hielten sich Unbefugte im Cockpit des Präsidentenjets auf. Die Stewardess soll einem von ihnen Bier angeboten haben. Rund 15 Minuten vor dem Absturz schlug ein Pilot wegen Nebel vor, zu einem anderen Flugplatz zu fliegen. Er bat auch jemanden, das Cockpit zu verlassen. Aufgezeichnet wurden außerdem Zwischenrufe wie „Pst!“ und „Ruhe!“

    Die Experten, die den Flugschreiber auswerteten, vermuten nach Angaben des Senders, dass eine Stimme die des polnischen Luftwaffenchefs Andrzej Blasik sei. Er soll die Piloten unter Druck gesetzt haben, damit sie in Smolensk landen. In 300 Meter Höhe, also direkt vor der Landung, sagte Blasik mutmaßlich: „Du wirst da reinpassen, problemlos“.

    Die polnische Militärstaatsanwaltschaft zeigte sich allerdings skeptisch. Sprecher Marcin Maksjan sagte, der Bericht des Radiosenders enthalte zwar authentische Zitate, es gebe aber auch Ungenauigkeiten. Dies betreffe den Inhalt, die Identifizierung der Stimmen und die Interpretation des Gesprochenen.

    Maksjan betonte, die Begutachtung habe ergeben, dass keines der Besatzungsmitglieder und keiner der im Bericht erwähnten Amtsträger zum Zeitpunkt der Katastrophe alkoholisiert war. Er mahnte auch, man müsse in Bezug auf solche Medienberichte vorsichtig sein. Es sei unzulässig, solche Ergebnisse der Expertenarbeit vorzulegen, die noch nicht als klar und vollständig gelten, mahnte Maksjan.

    Der polnische Präsidentenjet war am 10. April 2010 bei Smolensk abgestürzt. Alle 96 Menschen an Bord kamen ums Leben. Unter ihnen waren polnische Spitzenpolitiker einschließlich des Präsidenten. Sie kamen nach Russland, um an einer Trauerveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages des Massakers von Katyn teilzunehmen.

    Nach Angaben der russischen Ermittler ging der Absturz unmittelbar darauf zurück, dass die Piloten die Warnungen der russischen Fluglotsen ignorierten und beschlossen, trotz Nebels in Smolensk zu landen. Polens Luftwaffenchef Andrzej Blasik soll mit 0,6 Promille Alkohol im Blut die Piloten trotz wiederholter Warnungen der russischen Fluglotsen zur Landung gezwungen haben. Die polnischen Behörden geben dagegen den russischen Fluglotsen die Schuld.

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    Tags:
    Flugschreiber, Flugzeugabsturz, Andrzej Blasik, Bartosz Kownacki, Lech Kaczynski, Polen, Russland