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15:06 21 Oktober 2019
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    "Alles wieder gut?“ – Kontroverse Debatten zum Jahrestag der Befreiung von Buchenwald

    © AP Photo / Jens Meyer © AP Photo / jad/str/Kurt Zalud © AFP 2019 / Eric Schwab
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    Einer der prominentesten Teilnehmer der Diskussion „Alles wieder gut?“, Prof. Dr. Hajo Funke, zählt zu den profiliertesten Rechtsextremismus-Experten Deutschlands.

    Im Interview mit Nikolaj Jolkin verwies er auf den herausfordernden Charakter des Diskussionstitels. „Keiner, der an dieser Veranstaltung teilnimmt, meint, alles ist wieder gut. Nein! Siebzig Jahre danach ist Anlass, sich noch genauer und umfassender dieser Schrecken zu erinnern.“

    Häftlinge des KZ Buchenwald nach der Befreiung durch die Alliierten. April 1945
    © AFP 2019 / Eric Schwab
    Der Nationalismus, wo immer er auftrete, sei gefährlich, so der Politikwissenschaftler. „Weil er Eskalationen bewirkt – rhetorische und im Falle des Konflikts in der Ost-Ukraine sogar kriegerische. Auch der ethnische Ultranationalismus, auch der Großmachtnationalismus bestimmter Leute in Russland wie Alexander Dugin ist gefährlich. Er ist gefährlich für ein gutes Miteinander von Nachbarn, wie es die Außenminister Deutschlands und Russlands für Europa wünschen.“

    „Wir haben Ansätze, sogar die Gefahr einer rechtsextremen Massenbewegung. Wir haben zugleich Kräfte in Deutschland, die das zu begrenzen und einzudämmen versuchen“, so der Experte.

    „Alle demokratischen Parteien und die Kirchen haben gesagt:,Das wollen wir nicht! Das lassen wir nicht zu!‘“ Diese Tatsache verhindere, nach den Worten von Prof. Funke, dass es eine breite Bewegung gebe. Aber die Pegida sieht er gleichwohl brandgefährlich, weil sie auch Gewalt enthalte. Sie habe friedlich demonstriert, aber im Schatten von Pegida habe sich der Anstieg von Angriffen auf Asylflüchtlingsheime und auf Asylflüchtlinge selbst verdoppelt. Und das hänge mit der Entfesselung des Ressentiments gegenüber Fremde in Deutschland zusammen.
    Hat sich die Pegida-Bewegung selbst zerlegt?

    „Sie hatte in Sachsen großen Zuspruch, hat aber entsprechenden Widerstand erfahren“, sagte er weiter. „In allen Städten, in denen es Demonstrationen gegen Flüchtlinge, ähnlich der Pegida, gegeben hat, war die große Mehrheit gegen diese Demonstrationen und für ein Eintreten für Asylflüchtlinge. Dieser Druck ist nicht spurlos an den Organisatoren vorbeigegangen. Die Einen sagten, jetzt müssen wir uns doch differenzieren.“ 
    „Hinzu kam, dass sie selbst an der Spitze auseinander gebrochen sind. Der Mitgründer, Lutz Bachmann, und das ist auch bekannt, vertritt Rassismus aus der untersten Schublade. Er hält Ausländer und Migranten für Drecks- und Viehzeug. Schlimmer geht es nicht. Er ist immer noch im Geschäft. Und deswegen ist es zugleich so, dass er keine Massenbewegung bewirken wird.“

    Der letzte Vorfall in Tröglitz war dramatisch

    „Weil es schon vorher eine dreimonatige Demonstrationswelle in diesem kleinen Ort gegeben hat, von der NPD organisiert, Dann aber hat sie den Bürgermeister bedroht, sodass er zurückgetreten ist. Dann gab es die Brandstiftung auf das Heim, in das die Flüchtlinge aus Syrien kommen sollten. Das spitzt die Sache zu. Es ist nötig, dass die Politik die Engagierten vor Ort, die es gibt, unterstützt, damit nicht etwas entsteht, wie in den frühen neunziger Jahren: Pogrome und die Flucht der Migranten in Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda. Das darf nicht geschehen. Deswegen ist die Politik aufgerufen.“

    Die größte Gefahr sieht Prof. Hajo Funke im europäischen Raum. „Was wir gegenwärtig erleben, ist, so sehe ich die Gefahr jedenfalls, dass jeder gegen den Anderen die Geschichte instrumentalisiert und missbraucht. Das sind die Balten, die die SS-Leute belobigen. Das sind die Ukrainer, die den Faschisten und den Hitler-Verehrer Stepan Bandera belobigen. Das ist der falsche Weg. Da verliert Europa. Europa sollte sich besinnen.“

    „Die Europäer in der EU und in Moskau und hoffentlich auch Poroschenko. Die sollten doch gemeinsam daran interessiert sein, dass sie ihren Nationalismus nicht noch steigern, sondern eindämmen. Das ist für mich die Lehre von Buchenwald“, sagte abschließend  Prof. Hajo Funke.

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    Tags:
    Migranten, Nationalsozialismus (Nazismus), Hajo Funke, Buchenwald, Syrien