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00:33 18 Juli 2019
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    Siegestour

    Russische Motorrad-„Siegestour“ wird möglicherweise an polnischer Grenze gestoppt

    © Sputnik / Ewgeni Bijatow
    Panorama
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    Die vom russischen Motorradclub „Nachtwölfe“ geplante Europatour anlässlich des 70. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg wird möglicherweise an der polnischen Grenze gestoppt. Wie Polens Vize-Außenminister Rafal Trzaskowski am Dienstag dem Nachrichtensender TVN 24 sagte, liegt die Entscheidung beim polnischen Grenzdienst.

    „Der Grenzschutz hat das Recht zu beschließen, ob aggressiv gesinnte Menschen einreisen dürfen oder nicht. Wir betrachten das Problem als äußerst wichtig… Wenn die Zahl der Motorradfahrer wie angekündigt hoch sein wird, sollte die Polizei die Sicherheit der Fahrt gewährleisten und entsprechende Straßen freigeben.“

    Trzaskowski zufolge haben die „Nachtwölfe“ bisher keine polnische Einreisevisa beantragt. Es sei aber möglich, dass sie Visa eines anderen Schengen-Staates hätten.

    Polnische Biker fordern, die Tour nicht zuzulassen. „Die Ankunft russischer Motorradfahrer in diesem oder jenem Land kann als Vorbote einer russischen Aggression angesehen werden“, hieß es. Auch Ex-Vizeaußenminister Paweł Kowal ist der Ansicht, dass die „Nachtwölfe“ in Polen nichts zu suchen haben. „Wir werden ihre Einreise ins Land nicht zulassen. Hierbei geht es vorerst um symbolische Gewalt, der auch die reale Gewalt folgen könnte.“

    Polen sollte unumwunden erklären, dass es diese Absicht klar erkenne und sie verhindern werde. Er als ehemaliger Amtsträger könne sich derart harte Worte leisten. Aber die polnische Regierung solle vorsichtiger handeln, sich dazu milder äußern, aber den Schlagbaum (für russische Biker) nicht öffnen, sagte Kowal.

    Die „Nachtwölfe“ mit Alexander Saldostanow alias „Chirurg“ an der Spitze wollen vom 25. April bis 9. Mai mit einer Motorradtour den Sieg der Sowjetunion über Hitler-Deutschland vor 70 Jahren feiern. Die Reise beginnt in Moskau und soll durch Minsk, Brest, Wroclaw (Breslau), Brno (Brünn), Bratislava (Pressburg), Wien, München, Prag und Torgau führen und im Treptower Park in Berlin enden. Dort wollen die Biker Blumen am Sowjetischen Ehrenmal niederlegen.

    „Leitwolf“ Saldostanow gilt als Kumpel von Präsident Wladimir Putin und hatte in Russland die Bewegung „Antimaidan“ ins Leben gerufen. Für seine Aktivitäten wurde er von den USA mit dem Einreiseverbot belegt.

    Unter den polnischen Bloggern und Lesern gibt es Gegner und Befürworter der Tour. Die Gegner fordern prompt eine Blockade der russischen Biker. Ein Leser kritisierte diese Position heftig: „Ukrainische Radikale in Polen versuchen, einen Konflikt zu provozieren, der in eine Tragödie ausarten kann. Sie versuchen ständig, Polen in einen Krieg gegen Russland zu verwickeln. Das sind Politiker wie Paweł Kowal, die gesamte ukrainische Minderheit und rund 23.000 ukrainische Studenten, die kostenlos in Polen studieren.“

    „Das ist ein seltener Fall, da der Staat seine Feinde unterstützt, die ihre Eigenständigkeit durch die Verherrlichung der Mörder von Frauen und Kindern etablieren… Von territorialen Ansprüchen der Ukrainer auf einen Großteil des polnischen Territoriums ganz zu schweigen“, hieß es.

    Saldostanow kritisierte die offizielle Position Warschaus. „Man darf natürlich nicht vergessen, dass es Polen gab, die mit der Roten Armee bis nach Berlin gekämpft hatten. Aber es gab auch Polen, die Polizisten oder Aufseher in jüdischen Ghettos waren. Vielleicht gefällt ihren Nachkommen die Idee unserer Tour nicht“, sagte er Journalisten in Moskau.

    Mehrere Blogger rufen die Behörden auf, die Tour zu genehmigen. Wichtig sei, dass die russischen Biker offiziell einreisen, die Verkehrsregeln einhalten und keine unerlaubten Demonstrationen veranstalten. „Wir unternehmen auch Touren nach Katyn. Wenn diese Schar der sogenannten Patrioten die ‚Nachtwölfe‘ an der Grenze stoppt, werden die Russen uns unsere Reisen nach Katyn ebenfalls verbieten“, schreibt ein Leser empört.

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    Tags:
    70. Jahrestag des Sieges, Alexander Saldostanow, Paweł Kowal, Polen