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    Kim Jong-un

    Die Kim-Dynastie: Weltbürger aus einem abgeschotteten Land

    © REUTERS / KCNA
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    Nordkorea gilt als eines der abgeschottetsten Länder der Welt. Trotz vorsichtiger Wirtschaftsreformen ist eine Reise nach Europa für die meisten Nordkoreaner bis heute unvorstellbar, schreibt das Nachrichtenportal Lenta.ru.

    Die Mitglieder der Regierungsfamilie genießen jedoch Privilegien – einige studierten im Ausland, andere lebten dort im hohen Alter. Einige ziehen es sogar vor, so selten wie möglich in der Heimat zu sein. Die Kim-Dynastie bevorzugt vor allem Paris.

    Kim Jong-un inspiziert Armee
    © REUTERS / KCNA
    Viele Mitglieder der Kim-Familie, die Nordkorea bereits seit 70 Jahren regiert, bevorzugen ein Leben im Ausland und lassen sich nur sporadisch in der Heimat sehen. Für die Mehrheit der Nordkoreaner ist eine private Auslandsreise nahezu ausgeschlossen. Bis 2003 waren solche Reisen für die meisten Nordkoreaner unmöglich. Doch für die Elite gelten Ausnahmen – allerdings unterscheidet sich Nordkorea in diesem Sinne nicht stark von vielen anderen Ländern.

    Der Gründer der Dynastie, die Sonne der Nation, der Ewige Präsident Kim Il-sung lebte ab 1945 in Nordkorea und verließ seine Heimat nur wegen offizieller Anlässe für kurze Zeit. Doch zwei seiner Söhne – die zweite Kim-Generation – lebten mit ihren Ehefrauen und Kindern ständig im Ausland. Im Ausland lebte und starb auch seine Schwiegertochter.

    Kim Il-sung war zweimal verheiratet. In der ersten Ehe hatte er zwei Söhne und eine Tochter. Der eine Sohn, Kim Jong-il, wurde später sein Nachfolger. Der andere starb als kleines Kind. In der zweiten Ehe hatte Kim Il-sung zwei Söhne und zwei Töchter.

    Nachdem Kim Il-sung Ende der 1960-er Jahre den für einen Staat des sozialistischen Lagers beispiellosen Beschluss traf, die Macht im Lande und in der Partei weiterzuvererben und seinen ältesten Sohn aus der ersten Ehe zu seinem Nachfolger machte, stellte sich die Frage, was mit den Söhnen aus der zweiten Ehe geschehen soll — Kim Yeong-il und Kim Pyong-il. Die Situation wurde dadurch erschwert, dass ihre Mutter am Leben war und als legitime Ehefrau des Großen Führers galt sowie große politische Ambitionen hatte.

    Die Söhne mussten als Nebenbuhler aus dem nordkoreanischen Machtzirkel verschwinden, gleichzeitig aber auch ständig überwacht werden. Die Söhne Kims aus der zweiten Ehe wurden „ehrenvoll“ mit diplomatischen Posten ins Ausland verabschiedet. Auffallend ist, dass die Töchter aus der zweiten Ehe nicht ins Ausland geschickt wurden – die Frauen bedrohten die Dynastie nicht.

    Der jüngste Sohn, Kim Yeong-il, wurde nach Deutschland geschickt, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2000 lebte (er starb mit nur 45 Jahren). Er war bis zum damaligen Zeitpunkt Berater in der nordkoreanischen Botschaft in Berlin.

    Der andere Sohn, Kim Pyong-il, wechselt seit mehr als 30 Jahren als Botschafter von einer europäischen Hauptstadt in die andere. Seit 1989 war er Botschafter in Ungarn, Bulgarien, Polen und Finnland. Jetzt vertritt er Nordkorea in Tschechien. Damit ist Kim Jong-il der einzige der drei Söhne Kim Il-sungs, der sein ganzes Leben in Nordkorea verbrachte.

    Im Ausland lebte lange Zeit Song Hye-rim, die ebenfalls als Vertreterin der zweiten Generation der Kims betrachtet werden kann. Eine bekannte Schauspielerin, wurde sie Ende der 1960er-Jahre zur Lebensgefährtin von Kim Jong-il und brachte den Sohn Kim Jong-nam zur Welt. Das Paar trennte sich zwar Mitte der 1970er-Jahre, doch Kim Jong-nam wurde weiter als Mitglied der Kim-Familie wahrgenommen und hatte entsprechende Privilegien. Kurz nachdem der nordkoreanische Herrscher eine neue Gefährtin bekam, wurde Song Hye-rim in Moskau sesshaft, wo sie die letzten 25 Jahre ihres Leben in einer Wohnung in der Wawilow-Straße verbrachte. Nach Pjöngjang reiste sie selten. Sie starb 2002 in der russischen Hauptstadt.

    Eine weitere Freundin Kim Jong-ils — Ko Yong-hi, die Mutter des jetzigen nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un starb ebenfalls im Ausland. Die ehemalige Tänzerin unternahm häufig Urlaubsreisen nach Europa. 2004 ließ sie sich wegen einer Krebserkrankung in Paris behandeln. Die französischen Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen.

    Zwei Jahre später starb in Paris Jang Kim-sung, Enkelin von Kim Il-sung und das einzige Kind seiner ältesten Tochter Kim Kyong-hi. 2006 beging sie Selbstmord in Paris – Gerüchten zufolge wegen einer unglücklichen Liebe.

    Die dritte Kim-Generation sind die Enkelkinder von Kim Il-sung. Der jetzige Machthaber Kim Jong-un ist der Sohn von Kim Jong-il und der in Paris verstorbenen Ko Yong-hi. Er besuchte eine Schule in der Schweiz und reiste viel in der Welt. Journalisten fanden vor kurzem heraus, dass er 2007 in Indien war. Auch andere Kinder von Kim Jong-il und der schönen Tänzerin lebten lange Zeit im Ausland (und reisen auch heute). Doch heute leben die meisten von ihnen in Pjöngjang und haben Posten in der Führung des Landes.

    Ein anderes Schicksal ereilte den ältesten Sohn Kim Jong-ils aus der Beziehung mit der Schauspielerin Song Hye-rim, die sich später  in Moskau niederließ. Der älteste Sohn, der so genannte direkte Nachfolger von Kim Il-sung, lebt seit langem im Ausland. Kim Jong-nam reiste Mitte der 1990er-Jahre nach China aus und wurde 2000 in Macau sesshaft –  einem Territorium, das formell zu China gehört, aber einen Sonderstatus hat. Kim Jong-nam reist viel. Nach Japan wanderte er mit einem gefälschten Pass aus, der vom nordkoreanischen Geheimdienst angefertigt worden war. Diese Praxis wurde eingestellt, nachdem er 2001 vom japanischen Grenzschutz am Flughafen festgenommen und nach Peking wegen Verstoßes gegen die Visa-Bestimmungen ausgewiesen wurde. Doch er reiste weiter ungestört in andere Länder (vor allem nach Europa). Der lächelnde, dicke Kim-Sprössling wurde vor allem in Paris häufig gesehen.

    Heute lebt Kim Jong-nam in Macau. Was er dort genau tut, ist unklar. Früher beschäftigte er sich mit den Finanzen der Kim-Familie – über Macau wurden bis vor kurzem nordkoreanische Finanzgeschäfte mit der Außenwelt abgewickelt. Dies scheint nicht mehr der Fall zu sein. Der neue Staatschef Kim Jong-un mag seinen Bruder nicht. Kim Jong-nam wurde in Pjöngjang seit langem nicht mehr gesehen und soll in klammen Verhältnissen leben.

    Kim Jong-nam ist beinahe das einzige Mitglied der Kim-Familie, das mit Medien in Kontakt steht (manchmal sogar auf eigene Initiative). In Interviews und in Briefen erlaubt er sich ziemlich kritische Äußerungen über Nordkorea. Doch er überschreitet nicht die Grenze, zeigt sich loyal und genießt sein Dasein im Ausland

    Sein Sohn Kim Han-sol, Vertreter der 4. Generation der Kim-Familie und der älteste Urenkel von Kim Il-sung, handelt forscher. Das ist nicht verwunderlich, weil er 1995 zur Welt kam. Er sorgte für Aufsehen in den Medien nach seinen Einträgen auf Facebook und Twitter, in denen er das Leid der nordkoreanischen Bauern anprangerte und sich als Antikommunist bezeichnete (er sieht sich jedoch  als Anhänger des Sozialismus). Der magere rothaarige Koreaner studiert in Paris. Anscheinend lieben die Mitglieder der Kim-Familie die Metropole an der Seine. Man kann sie verstehen.

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    Staatschef, Kim Han-sol, Ko Yong-hi, Kim Jong-nam, Song Hye-rim, Kim Pyong-il, Kim Yeong-il, Kim Il-sung, Kim Jong-il, Kim Jong Un, Pjöngjang, Deutschland, Frankreich, Nordkorea