16:25 01 Juni 2020
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    „Wir in Deutschland sind zum Teil selbst unter uns zerstritten, wie wir die heutige Politik Russlands ansehen sollen. Aber wir sind gar nicht über die Bedeutung des sowjetischen Sieges über Hitler-Deutschland zerstritten“, so der Berliner Historiker Dr. Peter Jahn.

    In einer von Sputniknews organisierten Video-Schaltung Berlin-Moskau bewertete der ehemalige Direktor des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst die für den 10. Mai geplanten Moskau-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel als ein gutes Zeichen. „Denn uns ist es vor allem wichtig, an die Opfer dieses Krieges zu erinnern. Und an die Millionen Opfer auf sowjetischer Seite an allererster Stelle und natürlich dann auch an die eigenen, die irrtümlich verhetzt, aber auch einfach nur arme Kerle waren, die von der Hitler-Führung geopfert wurden. Das ist für uns das Entscheidende. Dass wir eben auch den Tag der Befreiung in Berlin-Karlshorst im Museum, an den Ehrenmalen in Treptow und im Tiergarten als Volksfeste feiern, kann man schon daran sehen, dass wir schon wissen, worum es hier geht.“

    Auch 70 Jahre nach dem Kriegsende gibt es nach seiner Überzeugung Nischen, die nachgefüllt werden sollten. „Wir haben im Tiergarten das Holocaust-Denkmal, an dem an die jüdischen Opfer der Naziherrschaft erinnert wird. Und da nicht nur die Juden Opfer waren – ein Denkmal für die Sinti und Roma, ein Denkmal für diejenigen, die geistig oder körperlich behindert waren, schließlich auch ein kleines Denkmal für die Homosexuellen. Eine der größten Gruppensind jedoch diejenigen, die in Polen und in der Sowjetunion als slawische Untermenschen ermordet wurden – die Kriegsgefangenen, von denen mehr als drei Millionen in deutscher Gefangenschaft umgekommen sind, weil sie nicht überleben sollten. Es sind die Bewohner Leningrads, die sterben sollten. Man wollte sie nicht ernähren, weil man nach der Nazi-Ideologie Lebensraum im Osten wollte. Und es sind Hunderte von Dörfern im Westen der Sowjetunion und auch in Polen, die samt ihren Einwohnern verbrannt wurden. Wir haben eine Initiative gestartet, um auch einen kleinen bescheidenen Ort im Tiergarten zu finden, an dem sich Deutschland, die deutsche Gesellschaft, der deutsche Staat dazu bekennt, dass die ermordeten Slawen — Zivilbevölkerung, wie auch die Kriegsgefangenen — zu den Opfern zählen. Die Ehrenmale im Tiergarten und in Treptow erinnern an die gefallenen Soldaten. Das ist ehrenvoll, das ist gut so. Aber das ist nicht genug“, betont Dr. Peter Jahn.

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    Tags:
    Nationalsozialismus (Nazismus), Angela Merkel, Adolf Hitler, Deutschland, Moskau, Russland, Berlin