15:48 10 Juli 2020
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    Bei der Verkündung des Urteils für den „Boston-Attentäter“ Dschochar Zarnajew (21), ein Amerikaner tschetschenischer Abstammung, waren keine Vertreter des russischen Konsulats anwesend, verlautete am Samstag aus der Behörde. Es gebe keine Angaben dazu, ob er die russische Staatsbürgerschaft hat.

    US-Bundesstaat Massachusetts liegt im Konsularkreis des russischen Generalkonsulats in New York.

    „Wir haben uns nicht mit dem Strafverfahren gegen Dschochar Zarnajew befasst“, verlautete im russischen Generalkonsulat in New York gegenüber RIA Novosti.

    Dschochar Zarnajew
    © REUTERS / Jane Flavell Collins
    Am Freitag hatte ein Geschworenengericht im Prozess um den Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf den Attentäter Dschochar Zarnajew zum Tode verurteilt. Der Spruch der Geschworenen erfolgte einstimmig.

    Bei dem Anschlag am 15. April 2013 waren drei Menschen — darunter ein achtjähriges Kind — getötet und 264 verletzt worden. Bei 17 von ihnen mussten Gliedmaßen amputiert werden. Die Attentäter, Dschochar Zarnajew und sein älterer Bruder Tamerlan, zündeten zwei selbst gebaute Sprengsätze inmitten des Boston-Marathons, die kurz nacheinander detonierten. Auf ihrer Flucht erschossen die Brüder einen Polizisten. Tamerlan wurde bei einem Schusswechsel während der Verfolgungsjagd durch US-Sicherheitskräfte getötet. Dschochar wurde schwer verletzt festgenommen. Es war der schwerste Anschlag in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

    „Wir hatten keinen konsularischen Zugang angestrebt, waren in der Gerichtsverhandlung und bei der Urteilsverkündung nicht präsent, denn es ist uns nicht bekannt, ob er die russische Staatsbürgerschaft hat“, hieß es.

    Die Eltern von Dschochar Zarnajew, Ansor und Suibedat Zarnajew, sind nach Russland bereits zurückgekehrt. Zuvor hatten sie ihren Wunsch geäußert, den bei der Verfolgungsjagd getöteten älteren Sohn Tamerlan in Dagestan, russische Kaukasusrepublik, zu beerdigen.

    Im Januar vergangenen Jahres hatte die US-Staatsanwaltschaft erklärt, Dschochar Zarnajew habe „die Vereinigten Staaten verraten“, und forderte für ihn die Todesstrafe.

    „Dschochar Zarnajew wurde in den Vereinigten Staaten Asyl gewährt, er erhielt die Staatsbürgerschaft und die Freiheiten eines US-Bürgers, hat aber später die Vereinigten Staaten verraten, indem er Menschen getötet und verkrüppelt hat“, heißt es in dem Dokument, das ans Gericht geleitet wurde und nun der Agentur RAPSI vorliegt. Staatsverrat wurde als einer der sieben Punkte angeführt, welche dem Beschluss des US-Staatsanwalts zur Forderung der Todesstrafe für Zarnajew zugrunde lagen.

    Boston-Attentäter Zarnajew schuldig gesprochen
    © AP Photo / Jane Flavell Collins
    Dschochar Zarnajew wurde in Kirgistan, eine der ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien, geboren und war bis zum Umzug in die USA Bürger dieses Landes. Die Familie Zarnajew reiste 2002 in die Vereinigten Staaten aus, wo sie anschließend als asylberechtigt anerkannt wurde. Das Leben in den USA gestaltete sich aber nicht ganz problemlos und 2011 ließen sich die Eltern scheiden. Zunächst der Vater und später die Mutter zogen nach Russland. Beide Söhne, der ältere Tamerlan und der jüngere Dschochar, blieben in den USA.

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    Tags:
    Terrorakt, Dschochar Zarnajew, USA, Russland, Dagestan, Boston, New York