05:08 20 April 2019
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    Mainstream statt Logik: Deutschen fehlt Streitkultur in den Medien – Experten

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    Einseitigkeit und Skandalisierung sind beinahe neue Kultur im modernen Journalismus geworden, meinen Experten. Dass es eine andere Berichterstattung in Europa gibt, wünschen sich immer mehr Bürger.

    Die überwiegende Mehrheit der Europäer und der US-Amerikaner zeigt Interesse am Zugang zu alternativen Sichtweisen auf internationale Ereignisse, darunter auch zur Sicht russischer Medien, ergibt eine Umfrage von ICM Research für Sputniknews im Rahmen des Projekts Sputnik.Meinungen. Das Bedürfnis, sich zu Fragen der Zeit zu äußern, nehme zu, erklärt Hartmut Beyerl, Autor des Bloges „Hinter der Fichte“, die Ergebnisse der Umfrage. Er beobachte die deutschen Medien mit der größten politischen Einwirkung auf die Masse der Bevölkerung. „Generell nehmen wir dort — wie auch im Print-Mainstream — eine bestürzende Oberflächlichkeit wahr.

    Fast paranoide Dämonisierung

    Westliche Medien dämonisieren Russland
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    Eine historisch determinierte Beantwortung der Frage nach dem „Warum“ der Ereignisse in der Welt findet dort kaum statt“, sagt Beyerl im Interview für Anastasiia Sokolowskaja. „Wir beobachten eine schon paranoid zu nennende, durchgängige Dämonisierung Wladimir Putins und fast ausnahmslos anti-russische Darstellung der Vorgänge in Osteuropa“, fügt er hinzu.

    Den Deutschen fehle die früher dagewesene Streitkultur in der Berichterstattung, erklärt Politologe und Historiker Alexander Rahr im Gespräch mit Marina Piminowa. „In Deutschland gibt es eine große Anzahl von Lesern, die es sich wünschen würden, dass die Berichterstattung, was Russland und die Krise in der Ukraine angeht, objektiver durchgeführt werden würde. Man hat den Anschein, dass die Berichterstattung zur Ukraine in den deutschen Medien zu einseitig gewesen ist“, so Alexander Rahr.

    Moralisieren statt berichten

    Was in Deutschland in den letzten Jahren passiert sei, so Rahr weiter, und das habe man besonders in der Ukraine-Krise gesehen, sei die Moralisierung der Berichterstattung. „Journalisten und Redakteure versuchen, über Skandalisierung von Persönlichkeiten und von Kritikern bestimmte Emotionen zu schüren“, sagt der Politologe. Einerseits gehe es darum, sich besser zu verkaufen. „Es ist auch eine Art Kultur geworden, die sich negativ abweicht, den wir als Streitkultur in den 70er oder 80er Jahren erlebt haben“, so Rahr. Zwischen Deutschland und Russland gebe es bedauerlicherweise immer weniger Gesprächsformate, man führe Monologe, aber keinen Dialog.

    Gemachte Meinung vs. eigene Erfahrung

    Die Kluft zwischen gemachter Meinung und eigener Erfahrung der Menschen werde so groß, dass sie nicht mehr zu überbrücken ist, sagt Hartmut Beyerl weiter. „Sie nimmt bizarre Züge an. Wo die Logik aufhört, fängt heute der Mainstream an. Das führt dazu, dass die Menschen sich ab- und alternativen deutschen oder russischen Informationsquellen zuwenden“, so der Blog-Autor.

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    Tags:
    Medien, EU, ICM Research, Hartmut Beyerl, Alexander Rahr, Deutschland, USA, Russland, Ukraine