16:25 28 Oktober 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    FIFA-Korruptionsskandal (48)
    1208
    Abonnieren

    Das Ausmaß der öffentlichen Reaktion auf den Korruptionsskandal um die Fifa ist verwunderlich, so der deutsche Fußball-Experte Martin Gessmann. Die Ermittlung in den USA macht den Fall noch spektakulärer.

    „Es wurde seit längerer Zeit gesagt, dass Herr Blatter wiedergewählt wird, und jetzt kommt es gerade zu diesem Zeitpunkt raus mit dem Skandal und dem Ergebnis der Untersuchung“, sagt Christian Schätzle von c² development GbR im Interview für Marina Piminowa. Es mehren sich indessen Stimmen, die Schätzle zufolge „einen Wandel“ in der FIFA fordern.

    Das Ausmaß der öffentlichen Reaktion auf den Fall sei verwunderlich, stellt Martin Gessmann,  Autor von „Philosophie des Fußballs“, fest. Menschen meinen es wirklich ernst, wenn sie sich mit Fußball auseinandersetzen. „Die Geschichte der FIFA ist leider durchzogen von unschönen Machenschaften und Korruption. Der Skandal jetzt war überfällig, im Grunde schon seit Jahrzehnten. Was den Skandal so spektakulär macht, ist nicht zuletzt auf die unglaubliche Bedeutung zurückzuführen, die der Fußball heute in der Gesellschaft hat. Er ist kein bloßes Freizeitvergnügen mehr“, so Gessmann. 

    Ermittlung: Station USA

    Man müsse man sich wundern, „warum ausgerechnet die USA nun eingreifen müssen und die Strafverfolgung in die Hand nehmen“, so Gessmann im Gespräch mit Marina Piminowa.  Die FIFA hätte es nicht so weit kommen lassen dürfen, die Schweiz ebenso wenig, und die nationalen Fußball-Verbände hätten von sich aus und viel früher bereits dem Treiben  ein Ende machen müssen, so der Experte.

    „Welche besonderen Motive die USA gerade jetzt veranlasst haben zu ermitteln, darüber kann man streiten. Man kann sich auch wundern, dass es überhaupt die USA sind, und nicht andere Staaten oder Organisationen“, sagt Gessmann.

    Die Ermittlung in den USA macht den Fall indessen noch spektakulärer. Damit dies möglich ist, brauchen die USA gewisse Anknüpfungspunkte, kommentiert Rechtsanwalt Jörg von Appen: „Man braucht bei Bestechung rechtlich gesehen einen Anknüpfungspunkt, um ermitteln zu dürfen. Man muss sich schon wundern: es handelt sich komplett bis auf einen um ausländische Personen, gegen die das Justice Department Ermittlung begonnen hat. Da ist unter anderem gesagt worden, dass diese Bestechung wire fraud beinhaltet, d.h. es sind online Tools mitgenutzt worden, und da ein solches Wire möglicherweise in den USA tatsächlich sein Original hat, sind sie bei dieser Art von Bestechung hinterhergegangen.“ Der weitere Anknüpfungspunkt sei es, „dass sie FIFA continental confederation, den CONCACAF mit Sitz in Miami untersuchen konnten und da offensichtlich die Dokumente gefunden haben.“

    Von Appen geht davon aus, dass das trotz der Rechtsmitteleinlegung gegen Auslieferung weiter in den USA ermittelt wird.

    Umfrage

    Was liegt dem Skandal um die FIFA zu Grunde?
    • gegen Korruption im Sport wird verstärkt angekämpft
      5.6% (242)
    • die Öffentlichkeit soll von anderen Problemen abgelenkt werden
      67.7% (2899)
    • eine Wiederwahl von Sepp Blatter soll verhindert werden
      26.7% (1146)
    abgestimmt: 1
    Der heilige Zweck: korruptionsfreier Fußball

    Das massive Eintreten gegen Korruption und Vetternwirtschaft an sich hält Gessmann dabei für „vollkommen richtig.“  Dem stimmt auch Christian Schätzle zu: „Für die FIFA ist dieser Korruptionsskandal, der jetzt im Prinzip bewiesen ist, eigentlich nur ein weiterer schlechter Punkt für das Ansehen, in der letzten Zeit gab es auch das Thema Katar. Es muss im Prinzip jede WM-Vergabe gecheckt werden, ob da Korruption im Raum war, ansonsten verliert der Fußball an Glaubwürdigkeit.“

    An die Vergnügungsfunktion habe es sowieso schon verloren, meint Gessmann. „Menschen meinen es wirklich ernst, wenn sie sich mit Fußball auseinandersetzen.“

    Neuanfang für die FIFA

    Dass die FIFA einen Wandel braucht, wird immer offensichtlicher. Im besten Fall werde es einen Neuanfang geben, im schlechtesten nichts. „Die FIFA muss sich eine ganz neue Verfassung geben. Im schlechtesten Fall läuft alles weiter wie bisher. Und das, obwohl der Ansehensverlust in der Zwischenzeit schon nicht mehr reparabel ist“, so Martin Gessmann.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    FIFA-Korruptionsskandal (48)

    Zum Thema:

    Korruptionsskandal spaltet Fifa
    Hysterie um Fifa: Ablenkungsmanöver der USA
    US-Außenamt: Ermittlungen gegen Fifa ohne Auswirkung auf Beziehungen mit Russland
    FIFA-Skandal: US-Justiz wirft Großbanken Beteiligung an Geldwäsche vor
    Tags:
    CONCACAF, FIFA, Martin Gessmann, Jörg von Appen, Christian Schätzle, USA