08:07 25 September 2017
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    Deutsche Geheimdienste im Kalten Krieg stecken geblieben - Experte

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    Durch eine Offenlegung der Liste mit Spionagezielen des US-Geheimdienstes als Folge der entsprechenden Ermittlungen in Deutschland wird nach Ansicht von Oliver Bühler, geladener Experte zur Cyberspionage im NRW-Landtag, womöglich noch mehr kaputt gemacht.

    Das öffentliche Interesse, dass die Liste offengelegt wird, sei einerseits nachvollziehbar, räumte er ein. Andererseits sollte man eher darüber diskutieren, wie Dinge in Zukunft besser gestaltet werden könnten. Gerade in Deutschland gebe es in diesem Bereich einen wahnsinnig großen Nachholbedarf.

    Die vorangegangenen Bundesregierungen hatten das Thema komplett verschlafen, meint Bühler. Das Schlimme an den deutschen Sicherheitsstrukturen sei, dass sie alle Kinder des Kalten Krieges seien und seitdem nicht mehr reformiert bzw. an die Neuzeit angepasst worden seien. Die Krux liege im Selbstverständnis des BND: Alles, was aus Amerika komme, müsse automatisch gut sein, während alles, was woanders herkomme, automatisch schlecht sein müsse.

    Dagegen werde die neue Zeit der globalisierten Weltwirtschaft immer weniger verstehbar, wenn man nur eine Schwarz-Weiß-Maske anlege, um sie zu betrachten.

    „Was wir brauchen, ist eine gesellschaftliche Debatte. Und zwar nicht über die Frage, ob wir die Sicherheitsorganisationen brauchen, das steht für mich außer Frage, sondern was deren Auftrag ist. Ist deren Auftrag, uns zu überwachen oder uns zu beschützen? Das sind zwei ganz unterschiedliche Perspektiven.“

    Whistleblower Edward Snowden habe eine Debatte losgetreten, der sich die Zivilgesellschaft selber die ganzen Jahre verweigert habe und der sie sich eigentlich hätte stellen müssen, so Bernd Oliver Bühler.

    „Der Glaube, Sicherheit zu schaffen, indem man Freiheiten opfert, oder dass man Freiheiten opfern müsste, um noch mehr Sicherheit zu schaffen, ist für mich ein Irrglaube. Die Sicherheit des Bürgers, die Sicherheit der Daten darf nicht darunter leiden“, resümiert Bühler.

    Bernd Oliver Bühler ist Berater für integrierte Unternehmenssicherheit, Dozent für Competititive und Financial Intelligence an der Managementschule ESLSCA in Paris und war geladener Experte im NRW-Landtag zur Cyberspionage.

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    Tags:
    Cybersicherheit, Kalter Krieg, Bundesnachrichtendienst (BND), Edward Snowden, Oliver Bühler, Deutschland
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