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    Rund 18 Monate nach der Haftentlassung Michail Chodorkowskis erhebt die russische Justiz wieder schwere Vorwürfe gegen den Ex-Yukos-Chef. Der 52-Jährige steht nun im Verdacht, den Mord am Bürgermeister der sibirischen Erdölstadt Neftejugansk im Jahr 1998 persönlich in Auftrag gegeben zu haben. Dem in Europa lebenden Ex-Oligarchen droht ein Verhör.

    Der Mord an Bürgermeister Wladimir Petuchow hatte vor 17 Jahren für großes Aufsehen in Russland gesorgt. Medien verbanden das Verbrechen mit dem Kampf um lukrative Erdölaktiva. Nun nimmt das Ermittlungskomitee in Moskau die eingestellten Untersuchungen wieder auf. Der Grund dafür ist laut dem Sprecher der Behörde Wladimir Markin das „Bekanntwerden neuer Umstände“.

    „Nach operativen Erkenntnissen des Ermittlungskomitees könnte der Yukos-Chef Michail Chodorkowski persönlich diesen Mord wie auch andere Schwerverbrechen in Auftrag gegeben haben“, sagte der Sprecher am Dienstag. Im Rahmen der Ermittlungen sei geplant, Augenzeugen und Verdächtige, „unter denen sehr wahrscheinlich auch Michail Chodorkowski sein wird“, zu vernehmen. „Dass sich Chodorkowski momentan außerhalb Russlands aufhält, dürfte kein unüberwindbares Hindernis dafür sein.“

    Chodorkowskis Anwalt Wadim Kljuwgant wies die neuen Vorwürfe gegen seinen Mandanten als „Phantasien“ zurück. Die Pressesprecherin des einstigen Multimilliardärs Olga Pispanen sagte, die Verteidiger würden diese Information studieren.

    Nach Angaben der russischen Ermittler war Bürgermeister Petuchow von einer organisierten Bande umgebracht worden, die auf Befehl des früheren Yukos-Miteigners Leonid Newslin gebildet worden war. Newslin flüchtete nach Beginn der Ermittlungen 2003 nach Israel. In Russland wurde er in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Untersuchungen wurden wegen fehlender Beweise gegen andere mutmaßliche Auftraggeber ausgesetzt.

    Die Witwe des ermordeten Bürgermeisters zeigte sich über die Wiederaufnahme  der Ermittlungen überrascht. „Damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Das ist sehr schwer für mich“, sagte Farida Islamowa zur Nachrichtenagentur RIA Novosti. Sie selbst zweifle nicht daran, dass Chodorkowski  in die Ermordung ihres Mannes verwickelt sei. „Ich habe keine Zweifel. Auch die Einwohner von Neftejugansk haben keine Zweifel.“

    Michail Chodorkowski, einst Chef des Ölkonzerns Yukos und reichster Mann Russlands, hat wegen Diebstahl und Steuerhinterziehung zehn Jahre und zehn Monate im Gefängnis verbracht und wurde im Dezember 2013 – rund acht Monate vor dem regulären Ablauf seiner Haftstrafe – von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin begnadigt. Noch am selben Tag wurde Chodorkowski aus seinem Straflager entlassen und flog mit einem vom deutschen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher organisierten Privatjet nach Berlin. Deutschland stellte dem Ex-Öl-Milliardär ein Jahresvisum aus. Kurz danach erhielt er zudem eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz.

    Im Yukos-Verfahren verurteilte das Gericht Chodorkowski zudem zur Nachzahlung von 17 Milliarden Rubel (aktuell ca. 275 Millionen Euro) Steuern. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg bewertete den Yukos-Prozess zwar als nicht politisch motiviert, bezeichnete jedoch die Steuernachforderungen gegen Chodorkowksi und dessen Geschäftspartner Platon Lebedew als unbegründet.

    Sergej Pirogow

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    Erdöl, Yukos, Wladimir Petuchow, Michail Chodorkowski, Wladimir Putin, Deutschland, Russland