02:46 02 Dezember 2020
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    Im Südosten der USA erleuchtete ein eigenartiger Lichtschweif den nächtlichen Himmel. Experten vermuten, dass es sich dabei um ein Fragment einer alten sowjetischen Rakete handelt, die bereits 1973 zu Aufklärungszwecken gestartet worden war.

    Die Einwohner von US-Bundesstaaten wie Florida, Georgia, Alabama, South und North Carolina, Tennessee, Virginia und Louisiana wollen dieses Objekt gesehen haben. Das Objekt sei ungefähr eine Minute lang geflogen und dabei in Stücke zerfallen. Manche Augenzeugen hörten Geräusche. Viele dachten, es handelt sich um eine Sternschnuppe oder ein abgestürztes Flugzeug.

    Da dieses Objekt die Erdatmosphäre aber mit einer geringen Geschwindigkeit durchflog, schlussfolgerten Experten des Marshall Space Flight Center (MSFC), dass dies keine Sternschnuppe, sondern ein künstliches Objekt war.

    Später stellte sich heraus, dass es sich um einen Beschleunigungsblock einer sowjetischen Rakete handeln könnte. Am 2. November 1973 war vom Weltraumbahnhof  Plessezk eine Rakete des Typs Molnija-M gestartet worden, die den Spionagesatelliten Kosmos-606 auf eine Erdumlaufbahn brachte. Dieser Apparat des Typs Oko gehörte zu einem Raketenangriffspräventionssystem. Der Satellit hatte eine hochelliptische Flugbahn mit einer Neigung von 62,8°, einer Erdnähe von 626 und einer Erdferne von 39 360 Kilometern. Das war das zweite Gerät, das im Rahmen dieses Programms gestartet wurde. Es war acht Monate auf dieser Umlaufbahn in Betrieb und wurde dann in eine höhere Umlaufbahn gebracht.

    Der 1160 Kilogramm schwere Beschleunigungsblock – Block-L – blieb aber die gesamte Zeit in dieser Erdumlaufbahn.

    In Erdnähe wurde er durch die oberen Luftschichten gebremst, bis die vierte Raketenstufe begann, sich der Erde unaufhaltsam zu nähern. Laut dem US-amerikanischen Strategischen Kommando, das alle größeren Weltraummüll-Objekte beobachtet, hätte der Beschleunigungsblock der sowjetischen Rakete früher abstürzen sollen. Der Apparat blieb aber länger als erwartet in seiner Erdumlaufbahn und stürzte erst in der vergangenen Nacht ab.

    Üblicherweise erreichen Satelliten bzw. deren Fragmente in einer Höhe von 100 bis 200 Kilometern die Erdatmosphäre. Dabei stoßen sie auf Luftmoleküle und erhitzen sich. Bei einer Überbelastung von 20 g passiert das üblicherweise in einer Höhe von etwa 80 Kilometern. Dann zerfällt das jeweilige Objekt in mindestens vier Stücke.

    Allein die US-Gesellschaft der Meteoritenbeobachter hat 130 Nachrichten über die Beobachtung eines eigenartigen „Boliden“ erhalten. Caleb Fish,  Einwohner der Stadt Mountain Home, sprach in einem TV-Interview über seine Eindrücke: „Ich dachte zunächst, das wäre ein Flugzeug, denn in der Nähe liegt der Flugplatz Mountain Home. Dieses Ding flog aber schneller und war heller als ein Flugzeug. Deshalb dachte ich, dass es ein Meteor wäre.“

    Mehrere Zeugen behaupteten, mit einer Verspätung von 30 bis 90 Sekunden eine Explosion gehört zu haben. Experten halten es für möglich, dass es sich tatsächlich um einen Teil einer alten sowjetischen Rakete gehandelt hat.

    „Da die sowjetischen Raumapparate enorm robust waren, ist nicht auszuschließen, dass einige Komponenten nicht in der Atmosphäre verbrannten und auf die Erde gefallen sind“, schrieb die Website Spacefight101.

    In solchen Fällen erreichen üblicherweise hitzebeständige Teile des Antriebs oder der Treibstofftanks die Erde. Die Fläche, auf der Fragmente des abgestürzten Objekts gefunden werden können, beträgt 500 bis 1200 Quadratkilometer. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Windstärke und Windrichtung. Falls der Beschleunigungsblock der Rakete die Atmosphäre über Alabama oder Georgia erreichte, könnten seine Fragmente irgendwo zwischen North Carolina und Pennsylvania entdeckt werden.

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    Tags:
    Weltraumbahnhof Plessezk, USA, Florida