22:46 18 September 2020
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    Die Europäische Union will die angeblich russische Propaganda in den postsowjetischen Staaten bekämpfen und plant Maßnahmen gegen russische Medien. Das Vertrauen der Bürger wird die Offensive kaum fördern, findet Prof. Dietrich Ratzke.

    Die Medienoffensive soll demnach im September von einer EU-Gruppe “East StratComTeam” losgehen. Sinnlose Aktion, findet Professor Dietrich Ratzke, der Generalbevollmächtigte a.D. der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. „Ich halte überhaupt nichts von allen diesen Aktionen, denn das ist irgendwie Kalter Krieg oder Kühler Krieg oder was für ein Krieg auch immer. Es hat gar keinen Sinn, die Medien zu bemächtigten, um irgendeine Propaganda zu übermitteln“, so Ratzke im Sputniknews-Gespräch. „Das hat ja nichts mit Information zu tun, das ist bestenfalls Desinformation. Und das betrifft beide Seiten jeweils in diesen Fällen, jeder will seine vermutlich richtige oder vermutlich falsche Meinung dem anderen übermitteln“, sagte der Medienwissenschaftler.

    Das Vertrauen in die Medien nimmt EU-weit ab, wie die Umfragen zeigen. Auch Dietrich Ratzke ist mit der gegenwärtigen Medienarbeit wenig zufrieden: „Ich muss gestehen, dass auch mein Vertrauen abgenommen hat. Mir fehlt die klare, saubere Nachricht, getrennt von der Kommentierung, von der Meinung. Wir vermischen das und der Leser weiß nicht mehr genau, was die Information und was die Meinung ist“.

    Eine solche EU-Medienoffensive sei kaum vorstellbar, meint der Wissenschaftler. „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, wenn eine Staatsgruppe, EU in diesem Fall,  sagt,Pass mal auf, wir müssen irgendeiner anderen Meinung oder Information entgegensteuern. Jetzt wir anfangen, das zu sagen, was wir für richtig halten. Was soll die ganze Geschichte? Das wird doch das Vertrauen der Bürger in die Medien nicht erhöhen, sondern unterminieren“.

    Am besten wäre es, findet der Experte, es gäbe eine Handvoll vernünftige EU-Journalisten und eine Handvoll vernünftige Journalisten aus Russland, die sich zusammentun und sagen: „Wir wollen Probleme diskutieren und gemeinsam eine Publikation herausbringen, bei der die Menschen nicht das Gefühl haben, sie werden manipuliert“. „Das ist natürlich ein Wunschtraum, aber träumen kann man ja“, so Ratzke.

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    Tags:
    Propaganda, Medien, Kalter Krieg, East StratComTeam, EU, Dietrich Ratzke, Russland, Deutschland