04:19 21 Oktober 2020
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    Gerardo Hernández blickt mit vorsichtigem Optimismus auf die sich anbahnende Normalisierung zwischen Havanna und Washington. Der legendäre kubanische Agent sieht in dem Tauwetter eine Bedrohung für die kubanische Revolution.

    Nach mehr als fünf Jahrzehnten Feindschaft hatten die USA im Dezember eine Normalisierung mit Kuba angekündigt. Präsident Barack Obama stellte dem Inselstaat ein Ende des Handelsembargos in Aussicht. In der vorigen Woche verkündete Obama eine Wiederaufnahme der vor 55 Jahren abgebrochenen diplomatischen Beziehungen und eine Wiederöffnung offizieller Botschaften.

    Er begrüße zwar die erste Annäherung zwischen beiden Staaten seit mehr als 55 Jahren, sagte Hernández (50), der mehrere Jahre lang in Südflorida einen Agentenring angeführt hatte, in einem Interview der Nachrichtenagentur RIA Novosti. „Diese Annäherung bedeutet eine Rückkehr zum normalen Leben und liegt im Interesse beider Völker.“ Laut Hernández lässt Kuba von seinen Prinzipien nicht ab und ist zu einem Dialog nur dann bereit, wenn Washington die Souveränität und Unabhängigkeit der „Insel der Freiheit“ respektieren.

    Aber auch in diesem Fall berge diese Normalisierung Gefahren für Kuba in sich, so der Ex-Agent weiter. Auf der US-Seite gäbe es sehr mächtige Kreise, die diese Annäherung für eigene Ziele nutzen würden. Für diese Kreise wäre das Tauwetter nämlich eine Chance, die „kubanische Revolution zu zerstören“ – ein Ziel, das sie in den letzten 50 Jahren nicht erreichen konnten.

    „Die Kubaner sollten sich darauf gefasst machen“, warnte Hernández. Der von ihm angeführte Agentenring Red Avispa („Wespennetz“) hatte in Miami ahrelang Informationen über anti-kubanische Terrorgruppen gesammelt. Hernández wurde 1998 festgenommen und drei Jahre später von einem amerikanischen Gericht zu zweimal lebenslänglich plus 15 Jahre Gefängnis verurteilt.

    Hunderte Aktivisten und Organisationen weltweit, auch Parlamente und UN-Strukturen kritisierten die Vorwürfe als unbewiesen. Im Dezember 2014 kamen Hernández und vier weitere Aufklärer im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei und kehrten als Helden nach Kuba zurück.

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    Tags:
    Barack Obama, Gerardo Hernández, USA, Kuba