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    „Ukrainian Agony“ in Berlin: Eine „stille“ Doku zum Nachdenken

    © AFP 2019 / Aleksey Filippov
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    Letzte Woche hat der Dokumentarfilm „Ukrainian Agony“ seine Premiere im Berliner Kino Babylon erlebt. Filmautor Mark Bartalmai, der seit Juli 2014 in Donezk lebt, war mit seiner Kamera an die Kriegsfront gegangen. So entstand ein gänzlich anderes Bild des Donbass-Konflikts, als man es aus den westlichen Mainstreammedien kennt.

    Im Sputniknews-Gespräch zeigte sich der deutsche Journalist mit der Premiere sehr zufrieden. Der Film sei vom Publikum durchaus positiv aufgenommen worden. Das Thema werde in Deutschland unglaublich kontrovers diskutiert, und der Film stehe in dem kompletten Gegensatz zu dem, was die deutschen Medienkonsumenten im Moment zu hören bekämen, so der Filmautor.

    Es habe Spaß gemacht, den Leuten die Fragen zu beantworten und ihnen zu zeigen, dass es eben eine andere Sicht auf diesen Konflikt gebe, sagt Mark Bartalmai.

    Das Arbeiten an der Dokumentation sei unter den komplizierten Bedingungen vor Ort natürlich „nicht einfach“ gewesen. Wenn man in Frontbereichen unterwegs sei, müsse man schon ein Fingerspitzengefühl mit den Leuten haben.

    „Es ist einfach so, dass durch die ständige Berichterstattung, die in den westlichen Medien sehr einseitig war, schon eine gewisse Vorsicht gegenüber westlichen Journalisten herrscht“, sagt der deutsche Journalist.

    Die Zusammenarbeit mit den Journalisten, die längere Zeit vor Ort sind, sei im Osten der Ukraine fantastisch. „Und wir versuchen an allen möglichen Stellen, einander zu unterstützen“, betont Bartalmai. Es gebe im Donbass nicht nur russische Journalisten, sondern auch Leute aus dem Westen, unter anderem aus England und den USA, die auch über die andere Sicht berichten.

    Sechs Kollegen aus dem Umfeld von Mark Bartalmai kamen durch den Konflikt ums Leben.

    „Natürlich ist so was nur sehr schwer zu verschmerzen. Es ist etwas anderes, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, als wenn man in einem Kriegsgebiet, in dem man arbeitet und aus dem man berichtet, ums Leben kommt, weil auch Hilfskonvois unter Feuer genommen werden“, so der Kriegskorrespondent.

    „Ich gehe in dem Film auf dieses Thema etwas näher ein und erläutere, bei welchen Gelegenheiten die Kollegen ums Leben gekommen sind. Man gewöhnt sich natürlich an viele Dinge, auch an gefährliche Situationen. Man stumpft dort selbst ein bisschen ab. Und die Kollegen und auch Freunde, die dort ihr Leben gelassen haben, erinnern uns immer wieder daran, wo wir uns befinden und was für eine Aufgabe wir dort haben. Es ist auch für uns nicht leicht, damit umzugehen, weil ganz klar ist, dass es bei den jetzigen Entwicklungen jeden erwischen kann. Das Risiko ist uns durchaus bewusst“, sagt Mark Bartalmai.

    „Der Unterschied zu vielen anderen Journalisten gerade aus dem westlichen Ausland ist der gewesen, dass ich nicht zwei oder drei Tage während einer Waffenruhe vor Ort gewesen bin, sondern eigentlich ständig dort lebe. Und lebe ganz normal wie jeder andere Mensch dort. Das heißt, ich erlebe also auch die Angriffe, die Bombenangriffe, die Kampfhandlung hautnah so wie jeder andere auch. Das lässt natürlich andere Eindrücke zurück, als wenn man dort nur sporadisch ist“, ist sich Mark Bartalmai sicher.

    „Wir versuchen in diesem Film allerdings, möglichst darauf zu verzichten, sehr blutige und sehr grausame Szenen zu zeigen. Wir versuchen eher, mit Bildern zu arbeiten, die nicht abstoßend sind, um den Menschen einfach zu ermöglichen, diesen Film anzuschauen, zu denken und nicht einfach nur schockiert zu sein. Wir haben keinen Action- oder Horrorfilm gemacht, sondern etwas, was dazu anregt, darüber nachzudenken, was dort tatsächlich passiert“, resümiert der Filmautor.

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    Tags:
    Waffenruhe, Medien, Ukrainian Agony (Film), Mark Bartalmai, Donezk, Donbass, Deutschland, Ukraine